Warum Menschen sich über andere regulieren
Warum Menschen sich über andere regulieren …
… wenn sie sich selbst nicht halten können.
Selbstregulation in Beziehungen ist ein Thema, über das kaum jemand ehrlich redet. Dabei passiert es dauernd und wie selbstverständlich.
Es gibt Dinge, die sehen erst mal nach Fürsorge aus und sind in Wahrheit etwas ganz anderes. Nicht immer, aber oft genug, dass es sich lohnt, da mal genauer hinzuschauen. Dieses ständige Nachfragen zum Beispiel, dieses sofortige Einmischen, das dauernde Spüren, dass „da etwas ist“. Dieses Helfenwollen, Kümmern, Deuten, Erklären und Draufspringen. Das wird ja schnell als aufmerksam, mitfühlend oder besonders feinfühlig verkauft, und manchmal ist es das auch. Aber meistens eben nicht, und ja, es kann dich jetzt dann triggern, denn oft ist es einfach nur ein Mensch, der sich selbst gerade nicht gut halten kann und deshalb unbewusst beim anderen andockt.
Das klingt erst mal nicht schmeichelhaft, ich weiß. Aber es ist trotzdem wahr und vielleicht gerade deshalb so wichtig.
Was Regulation über andere eigentlich bedeutet
Denn viele Menschen regulieren sich nicht in sich selbst, sie regulieren sich über den anderen. Über deren Stimmung, deren Reaktion, deren Probleme, deren Blick, deren Befinden, deren Rückmeldung. Wer einem da gegenüber ist, wird dann nicht wirklich gesehen, sondern benutzt. Nicht aus einer Absicht, einfach unbewusst, aber eben trotzdem benutzt. Als Fläche, als Ventil, als Beruhigung, als kleine Zwischenlösung – such dir einfach was aus. – gegen das, was man in sich selbst gerade nicht gut aushält.
Und genau da wird es spannend, weil das in Beziehungen, in Freundschaften, in Familien, in Gruppen und auch in Begleitungen dauernd passiert. Nur reden die wenigsten ehrlich darüber, weil die Verpackung so nett aussieht. Hilfe klingt halt schöner als Überforderung, Sorge klingt edler als Angst und Anteilnahme klingt charmanter als Kontrollverlust.
Und doch liegt oft genau das darunter.
Wenn ein Mensch sich selber nicht gut spüren, halten oder regulieren kann, dann wird schnell der andere interessant. Nicht aus echter Tiefe und wirklichem Interesse heraus, sondern aus innerer Unruhe. Da ist Spannung im Nervensystem, da ist Unsicherheit, da ist Leere, da ist Angst, da ist dieses diffuse innere Ziehen, das man nicht benennen kann, und statt einfach mal still damit da zu sein, geht man raus aus sich und rein in den anderen. Dann wird gefragt, kommentiert, gewarnt, geholfen, interpretiert, erklärt oder auch geschniegelt mitgeteilt, was man alles schon gemacht hat. Hauptsache, die Energie muss nicht im eigenen Körper bleiben. Es muss dieses unangenehme Gefühl nicht gefühlt werden.
Das ist für mich natürlich einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Nicht alles, was wie Kontakt aussieht, ist wirklich Kontakt, geschweige denn eine wirkliche Verbindung.
Es ist einfach Regulation über den anderen.
Wenn Kümmern in Wahrheit Unruhe ist
Das sieht dann ganz unterschiedlich aus und genau deshalb wird es so oft übersehen, geschweige denn überhaupt erkannt.
Die eine Person springt sofort an, wenn sie meint, bei jemandem „etwas zu spüren“. Da reicht ein Blick, eine kleine Veränderung im Ton, eine stille Minute, und schon ist sie innerlich unterwegs. Dann wird nachgehakt, nachgefragt, vermutet, gedeutet, angeboten, geholfen. Von außen sieht das erst mal warm aus, vielleicht sogar liebevoll. Aber wenn man genauer hinschaut, merkt man oft: Da ist gar keine ruhige Präsenz, da ist vielmehr Druck, da ist ganz viel innere Bewegung und ein inneres Nicht-aushalten-Können. Als würde der andere zum Projekt werden, nur damit man sich selbst kurz klarer, nützlicher oder sicherer fühlt. Eher letzteres.
Ich kenne so eine Form aus meinen 1:1-Begleitungen. Eine Frau beobachtet jemanden an der Arbeitsstelle, die etwas im Stress zu sein scheint, und in ihr geht sofort ihr eigener Film los. Oh, die Arme, da stimmt bestimmt was nicht, die braucht sicher Zuspruch. Da muss ich hin, da muss ich jetzt etwas Nettes sagen, ich sollte ihr helfen. Da wird etwas unterstellt, ohne dass man es wirklich weiß, aus diesem alten Reflex heraus, dass man sich selbst NICHT reguliert, sondern sich beim anderen einmischt. Da wird dann oft Mitgefühl behauptet, dabei ist es eher die Unfähigkeit, die eigene innere Spannung einfach mal auszuhalten, ohne etwas machen zu müssen.
Das ist ein gewaltiger Unterschied, auch wenn er unbequem ist.
Echte Wahrnehmung hat etwas Ruhiges, die drängt nicht und fummelt nicht dauernd im Feld des anderen herum. Nein, die muss/wird nicht sofort handeln. Sie kann stehen lassen, kann offen lassen, kann auch mal nicht wissen. Wer dagegen aus innerer Unruhe reagiert, hält genau diese offenen Räume schlecht aus, da muss dann schnell etwas passieren. Da wird vielmehr die Energie sofort nach außen getragen. Und zack, schon wird aus dem anderen unbewusst ein Mittel zur eigenen Stabilisierung.
Nicht jeder Mensch will dir wirklich begegnen. Manche möchten sich über dich nur kurz selbst stabilisieren.
Ich finde, dieser Satz sitzt. Warum? Weil er so viel erklärt.
Es erklärt auch, warum manche Menschen im Kontakt nicht einfach da sein können: Sie kommen gar nicht wirklich an, sind sofort damit beschäftigt, sich im Kontakt irgendwie zu sichern. Das kann über Helfen laufen, über Sorgen, über Wissen, über Kontrolle, über Reden, über Leistung. Die Form ist unterschiedlich, die Bewegung darunter allerdings sehr oft ähnlich.
Angst die sich als Fürsorge verkleidet
Ich habe dafür noch ein anderes Beispiel, was mir gerade einfällt, das das sehr deutlich zeigt. Da waren ein Mann und seine Frau in einem Raum. Die Frau hatte eine intensive gesundheitliche Geschichte hinter sich, die Fenster waren offen, ganz normal, weil es sommerlich heiß war. Er kam rein und ging emotional sofort hoch. Nicht ruhig, nicht klar, nicht in einer stillen Fürsorge, sondern richtig aufgeregt. Die Fenster müssten sofort zu, seine Frau bekäme sonst einen Zug, dann bekäme sie Kopfschmerzen und überhaupt. Das war nicht einfach nur ein Mann, der an seine Frau denkt, sondern ein Mensch, der ein so angespanntes Nervensystem hat, das völlig auf Alarmbereitschaft war und diese Überforderung sofort in den Raum geschoben hat. Vordergründig ging es um die Frau. In Wahrheit ging es mindestens genauso sehr um seine eigene Angst, die er in dem Moment nicht halten konnte.
Und genau da kippen die Dinge, da wird aus Fürsorge Kontrolle und aus innerer Angst äußerer Druck. Da wird der ganze Raum mitreguliert, weil der eigene Innenraum nicht reguliert werden kann. Spannend, oder?
Das erleben viele Menschen in Beziehungen, ohne es zu durchschauen. Der eine wird hektisch, laut, kontrollierend, panisch, und alle denken: Ach, der sorgt sich halt. Nein. Vielleicht ist da schon ein wenig Sorge da, aber gleichzeitig reguliert er sich auch über die Situation und über die anderen Menschen. Er braucht, dass außen etwas passiert, damit innen etwas runterkommt.
Das ist keine Kleinigkeit, das ist für ich ein riesiger Unterschied.
Wenn ich meine Angst zum Problem des anderen mache
Und dann konnte ich noch eine Form beobachten, die besonders häufig in engen Beziehungen vorkommt und die man von außen kaum erkennt, weil sie so plausibel klingt und auch so erscheint.
Jemand gerät in seine eigene Existenzangst. Vielleicht läuft es gerade nicht rund, die Kunden bleiben aus, das Konto macht Sorgen, die Zukunft fühlt sich ungesichert an, es kann auch ohne irgendeinen ersichtlichen Grund geschehen. Das hat meistens mit energetischen Einflüssen zu tun und ist trotzdem sehr unangenehm. Aber statt bei dieser Angst zu bleiben, statt zu spüren, wo sie sitzt und was sie eigentlich braucht, geht der Blick nach außen. Zum Partner. Der gerade weniger arbeitet, evtl. entspannter wirkt oder einfach nicht so viel leistet wie man selbst.
Und dann passiert es: Die eigene Angst wird zum Problem des anderen gemacht. Der muss jetzt mal gefälligst mehr tun, er sollte sich mehr anstrengen. Außerdem ist er/sie schuld daran, dass es nicht besser wird. Doch jetzt kommt der Witz: Dabei hat der Partner mit der Angst im Grunde gar nichts zu tun, denn die Angst war vorher schon da. Sie sitzt im eigenen Nervensystem, nicht im Verhalten des anderen.
Beim Hinschauen zeigt sich: Da ist eine tiefe, alte Existenzangst, die nichts mit dem Gegenüber zu tun hat. Aber solange man sie auf den anderen projiziert, muss man sie nicht wirklich anschauen, und solange der andere das Problem ist, muss ich nicht fühlen, was in mir ist.
Das ist auch Regulation über den anderen, dieses Mal nicht über Einmischung oder Alarm, sondern über Projektion. Ich verlagere meinen inneren Zustand nach außen, mache ihn am anderen fest und verlange dann, dass der andere sich ändert, damit ich mich besser fühle.
Das Grausame daran: Der andere spürt den Druck, weiß aber oft nicht, warum er/sie sich plötzlich falsch fühlt. Was macht das Gegenüber dann, in dem Spiel? Sie oder er beginnt, sich zu erklären, zu rechtfertigen, mehr zu tun, um die Spannung zu lösen. Und die Spannung löst sich trotzdem nicht, weil sie nie in ihm war.
Leistung bettelt um Anerkennung
Es geht noch weiter, es gibt noch eine Form, die auf den ersten Blick viel harmloser wirkt. Zwei Menschen treffen sich und der eine muss in den ersten zwei Sätzen sofort mitteilen, wie fleißig er/sie war, dass er alles geschafft hat, welche Termine er hatte, was ausgearbeitet, vorbereitet, erledigt oder schon auf den Weg gebracht wurde. Oberflächlich hört sich das erstmal einfach nur nach Mitteilungsfreude an oder nach Begeisterung. Vielleicht auch nach einem gesprächigen Wesen, was natürlich auch sein kann. Aber, wenn sich das jedes Mal so zeigt, ist es etwas anderes, dann ist es Regulation über Leistung und Gesehenwerden.
Da steht dann innerlich oft nicht nur: Ich möchte dir etwas erzählen, sondern eher: Sieh mich. Sieh bitte, dass ich fleißig bin. Erkenne bitte, dass ich nicht faul bin. Sieh bitte, dass ich etwas tue, dass ich etwas wert bin, dass ich nicht nutzlos bin.
Bevor echte Begegnung überhaupt entstehen kann, wird schnell die Leistung vorgeschoben, wie ein Ausweis. Als müsste man sich Kontakt erst verdienen. Ja, als müsste man sich absichern, bevor es wirklich persönlich wird.
Und wenn jemand sogar sagt, dass er das schon als Kind gemacht hat, seiner Mutter hinterhergelaufen ist, um zu erzählen, was er alles gemacht hat, wie fleißig er war, was er schon erledigt hat, dann sieht man doch glasklar, woher der Wind weht. Da geht es nicht einfach um Redseligkeit, es geht um ein altes Muster. Um Selbstwert und um die Hoffnung, über Rückmeldung, Anerkennung und Gesehenwerden ein inneres Zitteren, eine Unruhe auszugleichen.
Auch das ist Regulation über den anderen. Nicht über Sorge dieses Mal, nicht über Alarm, sondern über Leistung. Über Botschaften wie: Schau, ich bin gut, ich bin fleißig, schau, ich bin doch etwas wert.
Schweigen wird zum Druckmittel
Es gibt noch eine weitere Form – und die wird am häufigsten übersehen, weil sie so still ist und gern als eine Unart gesehen wird, die ein Mensch halt so hat. Manche Menschen regulieren sich nicht durch Einmischen oder Alarm oder Leistung, sondern regulieren sich durch auffälliges Zurückziehen und durch Verstummen. Durch ein Schweigen, das nicht einfach nur ruhig ist, sondern das spürbar etwas will.
Da ist dann plötzlich die Tür zu, da kommt keine Antwort, keine Reaktion mehr. Da wird einsilbig geantwortet, wo sonst Lebendigkeit war. Und wer das kennt, weiß, was dann passiert: Man fängt an zu suchen. Was habe ich falsch gemacht oder gesagt? Stimmt irgendetwas nicht und habe ich etwas übersehen? Man dreht sich um den anderen, versucht zu erspüren, was los ist, läuft ihm innerlich hinterher.
Und das ist genau das, was das Nervensystem des anderen braucht, auch wieder nicht bewusst. Aber das Nervensystem weiß, was es tut, denn sobald ich mich zurückziehe, wird der andere aktiv. Sobald der andere aktiv wird, komme ich wieder runter, und das Schweigen ist keine Pause, es ist meine Art der Kontrolle.
Auch das ist Regulation über den anderen. Über Abwesenheit statt Präsenz, es läuft eher über Lücken schaffen, statt über Einmischung. Aber die Bewegung darunter ist dieselbe. Ich halte mich selbst gerade nicht aus, also muss der andere sich um mich drehen.
Woher kommt das jetzt alles?
Das Tragische und gleichzeitig Menschliche daran ist, dass all diese Formen von Regulation oft gar nicht böse gemeint sind. Wirklich nicht, von keinem. Ich finde es so wichtig, das zu sagen, damit wir nicht gleich wieder in diese billige Schublade kippen, wo der eine der Gute und der andere der Nervige oder Böse ist. So einfach ist es ja nie. Oft sind das Menschen, die früh gelernt haben, sich über andere zu organisieren, weil sie gar nicht anders konnten. Weil sie als Kinder Stimmungen lesen mussten, brauchten sie die Leistung, um Bindung zu spüren. Weil sie einfach Angst hatten, wenn sie nicht reagierten. Sie waren früh zuständig für etwas oder irgendwen. Andere haben erlebt, dass Ruhe gefährlich sein kann, Leere unangenehm und Nichtstun verboten.
Dann wird aus einem Überlebensmuster eines Tages ein Persönlichkeitsanteil und alle nennen es dann eben sensibel, engagiert, fürsorglich, fleißig, zuverlässig, hilfsbereit oder besonders wach. Dabei ist es oft einfach nur ein Nervensystem, das noch nicht gelernt hat, in sich selbst zu landen und zu ruhen.
Gell, ich meine das nicht urteilend oder abwertend. Ganz im Gegenteil. Ich finde es sogar entlastend, wenn man das mal so klar sieht, denn dann muss man nicht mehr alles moralisch aufladen. Dann wird verständlich, warum jemand so ist, und gleichzeitig heißt Verstehen natürlich nicht, dass es deshalb angenehm ist oder man sich das ständig gefallen lassen muss.
Denn für das Gegenüber ist diese Form von Regulation oft anstrengend, sehr anstrengend sogar.
Wenn jemand sich dauernd bei dir reguliert, wirst du irgendwann müde. Dann fühlst du dich beobachtet, bearbeitet, benutzt, gedrängt, vollgekippt oder zugeredet. Dann bist du gar kein Mensch mehr, sondern ein Gegenstand für die innere Sortierung des anderen. Das kann aussehen wie Kümmern, wie Fragen, wie Mitteilungen, wie Alarm, wie Dauerkontakt, wie Besserwissen oder wie „Ich muss dir noch kurz sagen …“, aber im Kern ist es oft einfach das Gleiche. Der andere kommt nicht bei sich an und versucht deshalb, sich über dich zu ordnen.
Und das ist auch der Grund, warum sich manche Beziehungen so zäh anfühlen, weil sich da nicht wirklich zwei Menschen begegnen, sondern zwei unregulierte Zustände aneinanderreiben. Der eine will Aufmerksamkeit, der andere Ruhe. Der eine will helfen, der andere Luft. Der eine will erzählen, dass er fleißig ist, der andere wollte eigentlich nur spazieren gehen. Der eine will kontrollieren, damit seine Angst runtergeht, der andere möchte einfach nicht angeschrien werden, nur weil ein Fenster offen ist. Und dann schmeißen wir alles in einen Topf und nennen das Kommunikationsprobleme. Meistens ist es aber gar kein Kommunikationsproblem, sondern einfach mangelnde Selbstregulation.
Was bedeutet Selbstregulation wirklich
Selbstregulation ist übrigens nicht, geschniegelt auf dem Meditationskissen zu hocken und den Eindruck zu machen, man sei ab sofort über alles erhaben. So ein Quatsch. Selbstregulation ist etwas viel Nüchterneres, nicht wirklich etwas Spektakuläres. Es heißt im Grunde nur, dass du lernst, das, was in dir hochkommt, erst mal bei dir zu bemerken, statt es sofort über andere zu entsorgen.
Du merkst, dass du unruhig wirst. Gut.
Du merkst, dass du sofort helfen willst. Okay.
Du merkst, dass du dich absichern willst, indem du erzählst, was du alles gemacht hast. Auch gut.
Du merkst, dass in dir der Alarm anschlägt und du am liebsten gleich die ganze Umgebung kontrollieren willst. Auch gut.
Du merkst, dass du in Existenzangst gerätst und plötzlich der Partner das Problem ist. Ebenfalls gut.
Du merkst, dass du dich am liebsten still zurückziehen würdest, damit der andere endlich reagiert. Auch das: ist gut.
Also, alles nichts Wildes und zu Verurteilendes. Es ist, wie es ist.
Aber dann kommt der entscheidende Punkt.
Nicht sofort losrennen.
Nicht gleich den anderen bearbeiten.
Nicht jeden Impuls für heilig erklären.
Sondern kurz innehalten und ehrlich schauen: Was passiert hier gerade eigentlich in mir?
Ist da Angst? Ist da Leere? Ist da Ohnmacht? Ist da der alte Wunsch, gebraucht zu werden? Ist da der Reflex, über Leistung Anerkennung zu holen? Ist da Unsicherheit? Ist da einfach nur die Schwierigkeit, still mit mir selbst zu sein?
Das ist der Moment, in dem Bewusstsein beginnt. Nicht da, wo du alles richtig machst. Sondern da, wo du dich in der Bewegung erkennst, bevor du sie automatisch nach außen wirfst. Zack – nimm sie.
Und klaro, natürlich ist das nicht bequem. Vieles von dem, was da sichtbar wird, kratzt am Selbstbild.
Ganz ehrlich, wer sieht schon gern, dass sein Kümmern vielleicht gar nicht so selbstlos ist? Oder sein Drang zu helfen oft eher mit eigener Unruhe zu tun hat. Dass dieses viele Erzählen nicht einfach Offenheit ist, sondern eine alte Form von Selbstabsicherung. Oder dass das ganze „Ich muss da jetzt sofort was tun“ mit Kontrolle zu tun hat und nicht mit Liebe. Die Existenzangst, die man auf den Partner projiziert, wohnt in Wahrheit schon lange im eigenen Körper. Oder dass das Schweigen kein Rückzug war, sondern ein Griff, ein richtig fester sogar.
Aber genau da wird es halt wirklich ehrlich und ohne Ehrlichkeit ändert sich halt auch nix und man ist weiterhin komplett unfrei.
Was steht auf dem Spiel?
Ich glaube sogar ganz sicher, dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der diese Dinge immer sichtbarer werden. Zumindest erlebe ich es in meinen 1:1 – Begleitungen sehr extrem, weil die alten Rollen nicht mehr so funktionieren. Weil Menschen feiner spüren, wenn sie benutzt werden, auch wenn es nett verpackt ist. Weil viele keine Lust mehr haben, der Regulierungsplatz für die ungelösten Zustände anderer zu sein, und natürlich, weil echte Nähe eben nicht dadurch entsteht, dass man dauernd aufeinander herumwerkelt, sondern dadurch, dass jeder ein bisschen mehr bei sich selbst ankommt.
Darum geht es für mich und nicht darum, Menschen bloßzustellen, wie mancher das gerne nennt, weil sie/er bei sich nicht wirklich hinschauen will. Nicht darum, jeden Impuls misstrauisch zu beäugen. Sondern darum, sauberer, wahrer, klarer und Erwachsener.
Denn solange ich andere brauche, um mich nicht spüren zu müssen, benutze ich sie. Vielleicht freundlich und unbewusst, sogar mit den besten Absichten. Aber eben trotzdem.
Und erst in dem Moment, in dem ich beginne, mich selbst zu halten, wird Beziehung wirklich frei.
Dann muss ich nicht mehr sofort nachfragen, nur weil in mir etwas nervös wird, muss ich nicht mehr helfen, nur um mich sinnvoll zu fühlen oder muss nicht mehr mit Leistung wedeln, damit ich Wert spüre. Dann muss ich den Raum nicht mehr kontrollieren, weil meine Angst gerade keinen Platz in mir hat. Meine Angst muss ich dann nicht mehr auf den anderen werfen und hoffen, dass er sie für mich löst oder trägt und ich muss nicht mehr schweigen und warten, dass der andere kommt.
Dann kann ich atmen. Dann kann der andere atmen. Dann entsteht etwas, das nicht geschniegelt, nicht spirituell geschniegelt, nicht pädagogisch geschniegelt ist, sondern einfach authentisch.
Präsenz. Ja, da haben wir sie wieder – die Präsenz.
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