Vielleicht füttern wir das Falsche

Vielleicht füttern wir das Falsche

Vielleicht füttern wir das Falsche …

… und merken es nicht einmal.

Ich bin inzwischen ziemlich überzeugt davon, dass wir uns an eine Form von Sichtbarkeit gewöhnt haben, die wir kaum noch hinterfragen. Wir posten unser Leben, unsere Arbeit, unsere Gedanken, unsere Erkenntnisse und teilweise sogar Dinge, die früher wahrscheinlich einfach bei uns geblieben wären. Instagram, Facebook, TikTok, LinkedIn, überall soll etwas passieren, damit man sichtbar bleibt, im Gespräch bleibt und bloß nicht aus dem Algorithmus fällt.

Das ist so normal geworden, dass kaum noch jemand fragt, was wir da jeden Tag tun und wem das Ganze am Ende wirklich nützt.

Natürlich nutze ich diese Plattformen selbst. Ich poste, ich teile meine Arbeit und freue mich auch, wenn Menschen darauf reagieren. Mir geht es also nicht darum, jetzt so zu tun, als wäre Social Media grundsätzlich Mist und wir müssten alle unsere Accounts löschen und wieder Brieftauben anschaffen.

Mich beschäftigt etwas anderes.

Wir produzieren und produzieren und produzieren, weil uns erzählt wird, dass wir genau das tun müssen, wenn wir mit unserer Arbeit sichtbar sein wollen. Gleichzeitig werden die Plattformen mit genau diesen Inhalten gefüttert, denn ohne die Menschen, die dort täglich etwas einstellen, gäbe es dort schlicht nichts zu sehen.

Da kann man sich schon einmal fragen, wer hier für wen arbeitet und auch noch, ohne dafür bezahlt zu werden.

Das Geschäft mit unserem Content

Wenn du auf Instagram etwas veröffentlichst, lieferst du Inhalt für eine Plattform, deren Geschäftsmodell unter anderem darauf basiert, dass Menschen möglichst lange dortbleiben und Werbung sehen. Auf TikTok ist es dasselbe Prinzip, und seit der TikTok Shop immer stärker nach vorn geschoben wird, fällt mir noch etwas anderes auf.

Ich höre inzwischen von vielen Creatorn dieselbe Geschichte. Menschen, die vorher über ihre eigentlichen Themen gesprochen haben, berichten davon, dass genau diese Inhalte deutlich schlechter ausgespielt werden, während Videos mit Shop-Produkten plötzlich Reichweite bekommen. Auch Leute, die beispielsweise ihre Bücher vorstellen, erzählen, dass diese Beiträge kaum noch laufen, sobald sie nicht über den TikTok-Shop verkaufen.

Ob TikTok selbst das jemals genau so formulieren würde, weiß ich nicht. Aber wenn viele Menschen unabhängig voneinander dieselbe Veränderung beobachten und man gleichzeitig selbst sieht, wie voll die Plattform inzwischen mit Shop-Videos ist, dann kann man das zumindest schwer übersehen.

Mich nervt das inzwischen gewaltig, weil ich TikTok mal interessant fand, gerade weil dort so unterschiedliche Themen aufgetaucht sind. Heute habe ich teilweise das Gefühl, ich laufe durch einen digitalen Teleshopping-Kanal, bei dem zwischen zwei Produkten zufällig noch ein Mensch mit einer Meinung durchrutscht.

Parallel dazu wird dir von allen möglichen Marketingmenschen erklärt, du müsstest noch mehr posten, noch häufiger Reels machen, noch konsequenter sichtbar sein und am besten auf jeder Plattform gleichzeitig stattfinden. Irgendwann verbringst du dann mehr Zeit damit, Content über deine Arbeit zu produzieren, als deine Arbeit zu machen.

Da sind wir dann bei meiner geliebten Content-Scheißerei.

Nicht, weil jeder Beitrag sinnlos wäre, sondern weil aus Sichtbarkeit sehr schnell eine Dauerproduktion wird, bei der keiner mehr fragt, ob das, was da täglich rausgeht, überhaupt noch etwas mit einem selbst zu tun hat.

Wir verschenken teilweise unsere komplette Arbeit

Noch merkwürdiger wird es für mich, wenn ich mir anschaue, wie viel Wissen mittlerweile kostenlos herausgegeben wird.

Eine Homöopathin schreibt öffentlich, welches Mittel sie bei einem bestimmten Beschwerdebild empfehlen würde. Ein Beziehungscoach erklärt in zehn Posts ausführlich, wie bestimmte Konfliktdynamiken funktionieren. Der Yogalehrer stellt seine komplette Morgenroutine ins Netz, inklusive aller Übungen, und natürlich soll das alles möglichst hilfreich, umfangreich und sofort umsetzbar sein.

Ich verstehe, warum wir das machen. Menschen sollen sehen, was wir können, Vertrauen aufbauen und einen Eindruck davon bekommen, wie wir arbeiten.

Nur ist irgendwann die Grenze erreicht, an der aus „Ich gebe dir einen Einblick“ ein „Hier hast du schon mal fast alles“ wird.

Dann darfst du dich anschließend auch nicht wahnsinnig darüber wundern, wenn Menschen sagen: „Wieso soll ich dafür bezahlen? Ich bekomme doch jeden Tag kostenlos unzählige Tipps.“

Das sehe ich in vielen Bereichen. Die Leute haben sich daran gewöhnt, dass Wissen ständig verfügbar ist und zu fast jeder Frage jemand ein Video, einen Post oder eine kostenlose Anleitung veröffentlicht. Sobald jemand dann sagt, dass seine Arbeit Geld kostet, gibt es plötzlich empörte Gesichter, weil im Internet doch sonst alles umsonst herumliegt.

Wir haben diese Erwartung teilweise selbst mit aufgebaut.

Und ich nehme mich da ebenfalls nicht heraus. Auch ich habe lange gedacht, man müsse möglichst viel geben, damit Menschen erkennen, wie wertvoll die eigene Arbeit ist. Nur kann dieser Schuss nach hinten losgehen, wenn du so viel verschenkst, dass gar nicht mehr klar ist, weshalb jemand überhaupt noch einen Schritt weitergehen sollte.

Ohne uns wären diese Plattformen ziemlich leer

Was mich daran zunehmend stört, ist dieses seltsame Verhältnis zwischen dem, was wir hineinstecken, und dem, was zurückkommt.

Ohne Menschen, die dort schreiben, filmen, fotografieren, diskutieren, tanzen, kochen, erklären oder ihren Hund dabei aufnehmen, wie er eine Socke klaut, wären diese Plattformen erstaunlich schnell sehr langweilig. Wir liefern das, weshalb andere überhaupt dorthin hingehen.

Trotzdem haben viele das Gefühl, sie müssten dankbar sein, wenn der Algorithmus ihnen gnädigerweise etwas Reichweite schenkt.

Dann wird ständig geschaut, welcher Hook gerade funktioniert, welche Länge ein Reel haben soll, welche Uhrzeit angeblich perfekt ist und ob man jetzt lieber siebenmal oder neunmal am Tag posten muss, damit man bloß nicht in der digitalen Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Ich überspitze das natürlich, aber nur ganz leicht.

Was mich daran wirklich interessiert, ist die Angst darunter. Viele glauben inzwischen tatsächlich, sie würden nicht mehr existieren, sobald sie eine Weile nichts posten. Dann geht es längst nicht mehr darum, etwas zu teilen, weil man etwas zu sagen hat, sondern darum, sich regelmäßig beim Algorithmus zu melden, damit er einen bitte nicht vergisst.

Also ich finde das mehr als schräg. 

Was passiert eigentlich in dir, bevor du etwas postest?

Ich beobachte inzwischen viel genauer, aus welchem Grund ich etwas veröffentlichen möchte.

Habe ich wirklich etwas zu sagen oder denke ich, ich müsste mal wieder etwas posten? Freue ich mich darauf, einen Gedanken zu teilen, oder sitzt im Hintergrund diese kleine Unruhe, dass meine Reichweite sinken könnte, wenn ich mich nicht regelmäßig melde?

Das sind für mich inzwischen wesentlich interessantere Fragen als die nächste Marketingregel.

Denn Social Media kann sehr schnell anfangen, den eigenen Wert mit Zahlen zu vermischen. Ein Beitrag läuft gut und du freust dich. Der nächste läuft schlecht und plötzlich zweifelst du daran, ob dein Thema überhaupt jemanden interessiert.

Dabei sagt eine Zahl unter einem Beitrag längst nicht alles darüber aus, was dieser Beitrag ausgelöst hat. Ein Mensch kann etwas lesen, drei Tage darüber nachdenken und sich nie mit einem Herzchen bemerkbar machen. Ein anderer klickt kurz auf „Like“ und hat den Inhalt zwei Sekunden später wieder vergessen.

Trotzdem behandeln wir Reichweite oft so, als wäre sie eine objektive Messung dafür, wie relevant unsere Arbeit ist. Das ist sie nicht.

Sichtbarkeit ist nicht automatisch Verbindung

Genau das habe ich lange unterschätzt. Du kannst Tausende Menschen erreichen und trotzdem kaum echte Verbindung erleben. Gleichzeitig kann ein einziger Text bei wenigen Menschen etwas auslösen, das viel tiefer geht als hundert flüchtige Likes.

Das bedeutet nicht, dass Reichweite unwichtig wäre. Natürlich ist es hilfreich, wenn Menschen deine Arbeit überhaupt entdecken. Ich habe keine Lust, Sichtbarkeit jetzt romantisch kleinzureden und so zu tun, als würde ein gutes Angebot schon allein durch die geistige Welt seine Käufer finden.

Nur möchte ich nicht mehr jedes Mal den Wert meiner Arbeit davon abhängig machen, wie eine Plattform darauf reagiert.

Wenn ich schreibe, möchte ich etwas schreiben, das mir entspricht, und nicht schon beim zweiten Absatz überlegen, ob der Algorithmus jetzt ausreichend stimuliert wurde.

Was dabei leicht verloren geht

Je mehr du dich mit Sichtbarkeit beschäftigst, desto weniger Raum bleibt manchmal für das, was überhaupt erst etwas entstehen lässt.

Für Ruhe, in der ein Gedanke reifen kann, Zeiten, in denen du nicht sofort alles teilst, oder Arbeit, die nicht nebenbei schon in fünf Contentstücke zerlegt wird, bevor sie überhaupt fertig ist.

Ich merke das bei mir selbst sehr deutlich. Wenn ich zu viel im Kopf habe, was ich noch posten, ankündigen, erklären oder verwerten könnte, verliere ich die Lust daran. Dann wird aus etwas, das mir Freude macht, plötzlich wieder eine Aufgabe auf irgendeiner imaginären Marketingliste.

Und genau da möchte ich nicht mehr hin.

Ich möchte weiterhin sichtbar sein, meine Arbeit zeigen, Bücher vorstellen, Angebote machen und natürlich auch etwas verkaufen. Ich lebe schließlich nicht davon, dass Menschen meinen Blogbeitrag besonders schön finden und mir energetisch einen Zehner schicken.

Aber ich möchte selbst bestimmen, wie viel ich gebe, wo ich etwas teile und was bei mir bleiben darf, weil es zu meiner wirklichen Arbeit gehört.

Vielleicht ist weniger gar nicht das Problem

Inzwischen bin ich sogar überzeugt, dass die Lösung nicht darin liegt, noch mehr zu produzieren.

Manchmal ist es klüger, weniger zu veröffentlichen und dafür wieder genauer zu wissen, warum man überhaupt etwas sagt. Auch nicht jede Plattform muss bespielt werden, nur weil sie existiert.

Ich habe keine Lust mehr darauf, meine Arbeit an einen Algorithmus anzupassen, bis ich mich selbst darin kaum noch erkenne. Wenn ich merke, dass eine Plattform mich hauptsächlich dazu erzieht, ständig auszuspucken, nur damit ich dort weiter vorkomme, darf ich auch entscheiden, dass ich dieses Spiel nicht in jeder Runde mitspiele.

Das heißt nicht, dass ich mich komplett zurückziehe. Es heißt nur, dass ich nicht mehr automatisch davon ausgehe, dass mehr Content auch mehr Verbindung, mehr Kunden oder mehr Sinn bedeutet.

Manchmal füttern wir eben tatsächlich das Falsche, während wir glauben, wir würden gerade unser eigenes Business aufbauen.

Und seit ich mir diese Frage stelle, schaue ich deutlich genauer hin, bevor ich wieder brav den nächsten Napf für einen Algorithmus hinstelle.

Die Frage, die bleibt

Wem dienst du wirklich, wenn du postest?

Dem Algorithmus?
Der Angst, übersehen zu werden?
Den Plattformen, die an dir verdienen?
Der Marketingagentur, die dir sagt, du müssest mehr tun?

Oder dem, was in dir lebendig werden will? Nur du kannst das beantworten. Aber ich verspreche dir: Die Antwort verändert alles.

Ein Teil meiner Angebote

Die drei Ebenen, die du nicht mehr wegdrücken solltest

Die drei Ebenen, die du nicht mehr wegdrücken solltest

Die drei Ebenen … 

… die du nicht mehr wegdrücken solltest.

Im letzten Beitrag hab ich über die drei Instanzen in uns geschrieben – Verstand, Herz, Körper – und wie Konflikte entstehen, wenn sie nicht im Einklang sind. Heute gehen wir einen Schritt weiter, wenn du willst. Nicht philosophisch, sondern praktisch. Denn es reicht nicht, zu wissen, dass es diese drei Instanzen gibt. Du musst sie erkennen können und das ist eine Herausforderung. Mitten im Moment. Wenn dein Nervensystem gerade durchdreht. Die meisten tun es erst, wenn die Situation vorbei ist.

Die drei Instanzen, das war der Überblick. Jetzt schauen wir genauer hin: Gedanke, Gefühl, Körperempfindung. Das sind die drei Ebenen, die du im Alltag auseinanderhalten musst, wenn du nicht ständig aus dir selbst herausfallen willst. Sprich: Du rastest aus, frierst ein oder flüchtest, und das kann unterschiedlich aussehen.

Es gibt Tage, da denkst du, du kippst innerlich gleich rückwärts aus dem Stuhl, obwohl objektiv rein gar nichts passiert ist. Und genau dann merkst du wieder, wie sehr dich dein Kopf verarschen kann, während deine Gefühle Samba tanzen und dein Körper verzweifelt versucht, auf die Bremse zu treten.

Das Problem ist nicht, dass du empfindlich bist. Das Problem ist, dass du nie gelernt hast, die drei Ebenen auseinanderzuhalten und vor allem dich selbst zu regulieren.

Gedanke – Gefühl – Körper

Das heilige Chaos-Trio oder,  anders ausgedrückt: Drei Engel fürs Drama. Wenn du sie nicht sortierst, machen sie miteinander Schabernack und du hängst mittendrin.

Und genau deshalb spreche ich die Dinge so klar aus. Nicht, weil ich gern provoziere (okay, erwischt, manchmal doch). Sondern weil Klarheit oder Wahrheit der schnellste Weg ist, dein Nervensystem runterzufahren. Außerdem kannst du nichts integrieren, was du nicht benennst. Und du kannst nichts verändern, was du nicht verstehst.

Also, einmal tief durchatmen. Lass uns reingehen.

1. Gedanken …  ich sage mal, die schlechten Netflix-Produktionen in deinem Kopf

Gedanken sind wie diese Filme, die du auf Netflix nach fünf Minuten abbrechen würdest, weil du genau weißt: Das wird nichts mehr. Da schaltest du aus, nur blöd, dass du den Film in dir, innerlich trotzdem weiterlaufen lässt, als hättest du einen Vertrag unterschrieben. Hast du?

Ganz ehrlich, Gedanken haben selten recht. Aber sie sind verdammt gut darin, überzeugend zu wirken, wenn du ihnen nicht auf die Finger schaust.

Beispiel: Du schreibst jemandem eine Nachricht, das Häkchen wird blau, Stille.

Gedanken: Na super, der ignoriert mich. Bestimmt hab ich wieder irgendwas Blödes gesagt. Vielleicht hätte ich noch vier Smilys mehr hinzufügen sollen. Bravo, Isolde.

Ein komplett unnötiger Gedankenzirkus. Und du sitzt in der ersten Reihe.

2. Gefühle – die ehrliche Ebene

Gefühle lügen nicht. Sie flüstern nicht. Sie sind da, Punkt. Einzige Herausforderung: Erzeugst du sie frisch durch deine Gedanken (deinem Ego) oder sind es eingespeicherte Programme?

Du musst sie nicht mögen, aber du musst sie kennenlernen. Viele Menschen verwechseln Gefühle mit Persönlichkeitsfehlern. Dabei sind es einfach nur innere Wetterumschwünge.

Beispiel aus dem gleichen Moment:

Gefühle: Unsicherheit. Dieses feine Brennen von Scham. Ein Mini- oder größerer Hauch Wut. Und der Wunsch, jetzt bitte sofort irgendwo Sicherheit herzuzaubern. Hex, Hex.

Gefühle sind nie das Problem. Dein Widerstand gegen sie ist das Problem.

3. Körper – der, der immer die Wahrheit raushaut

Dein Körper macht keine Dramen. Er kommentiert nicht. Er bewertet nicht. Er zeigt dir einfach, was grad Phase ist.

In dem Moment, in dem die Nachricht blau wird und keine Antwort kommt, passiert Folgendes:

Körper: Bauch zieht sich zusammen. Hitze schießt hoch. Schultern gehen hoch, als wär’s plötzlich Winter. Der Atem wird flach. Der Brustkorb eng, wie ein BH, der eine Nummer zu klein gekauft wurde.

Und dein Körper sagt: Hallo, Trigger und kein Weltuntergang.

Warum ich die Wahrheit so direkt ausspreche

Weil Wegdenken und Wegdrücken noch nie jemanden geheilt haben. Weil Schönreden eher schadet als hilft. Und weil Integration nur funktioniert, wenn du sagst, was wirklich da ist.

Es bringt nichts, wenn du sagst „Mir geht’s gut“, während dein Nervensystem schon die Evakuierung plant.

Wahrheit bringt Ordnung. Benennen beruhigt. Klarheit verbindet diese drei Ebenen wieder miteinander, sodass du nicht ständig aus dir selbst herausfällst.

Und genau das ist der Grund, warum ich dich jetzt frage, wenn du an eine bestimmte doofe Situation denkst: Was ist dein Gedanke? Was ist das für ein Gefühl? Was macht dein Körper?

Nicht, um dich zu analysieren. Sondern um dich nach Hause zu holen, zurück zu dir in deinen Körper, weg vom außen.

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt

Wenn du das sortierst, wenn du sagst: „Okay, mein Gedanke ist Panik, mein Gefühl ist Unsicherheit, mein Körper macht Alarm“,  dann passiert etwas.

Du fällst nicht mehr rein. Du beobachtest.

Und allein das kann etwas verändern.

Das ist das, worüber ich letztes Mal geschrieben hab: Einsicht. Echtes Verstehen. Wenn du diese drei Ebenen wahrnehmen kannst und keinen Einheitsbrei daraus machst, entsteht von selbst Raum. Einfach weil du beginnst, zu durchschauen, was gerade wirklich passiert.

Das ist der Unterschied zwischen „Ich verstehe das jetzt intellektuell“ und „Oh, ich spüre es“.

Der Punkt ist:

Du kommst nur dann zu dir, wenn du diese drei Ebenen kennenlernst wie drei verschiedene Sprachen. Dein Kopf ist nicht dein Gefühl. Dein Gefühl ist nicht dein Körper. Und alles zusammen ist nicht automatisch die Wahrheit.

Aber wenn du’s sortierst, entsteht Frieden. Tiefer, echter Frieden. Und du hörst/spürst endlich wieder dich. Nicht die Serie in deinem Kopf.

Was du jetzt tun kannst

Das nächste Mal, wenn dich was triggert: Halt kurz inne. Frag dich:

  • Was ist dein Gedanke?
  • Was ist dein Gefühl?
  • Was macht mein Körper?

Nicht analysieren, hilft nämlich nix. Nur benennen. Das reicht.

Falls du den Beitrag „Konflikte gehören zum Menschsein“ nicht gelesen hast, klick einfach auf den Link, also auf die  rote Zeile. Da geht’s um das große Bild, hier um die Praxis. Zusammen wird es rund.

Ein Teil meiner Angebote

Konflikte gehören zum Menschsein

Konflikte gehören zum Menschsein

Konflikte gehören zum Menschsein

Leid und Konflikt sind keine Gegner in unserem Leben, ganz im Gegenteil. Sie sind Wegweiser.

Konflikte gehören für mich zum Menschsein, auch wenn wir uns oft wünschen, wir könnten so bewusst, so geklärt oder so weit sein, dass es sie gar nicht mehr gibt. Ich sehe das inzwischen anders, denn Konflikte entstehen schon allein dadurch, dass in uns verschiedene Ebenen gleichzeitig reagieren und die sich nun einmal nicht immer einig sind.

Der Kopf kann längst verstanden haben, dass eine Situation gar nicht gefährlich ist, während der Körper trotzdem Alarm macht. Du kannst wissen, dass eine Entscheidung richtig wäre, und gleichzeitig emotional an etwas hängen, das du längst hinter dir lassen möchtest. Manchmal willst du etwas unbedingt und merkst trotzdem, dass sich in dir alles zusammenzieht, sobald es konkret wird.

Das ist kein Beweis dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es zeigt erst einmal nur, dass du ein Mensch bist und nicht aus einem einzigen sauber sortierten Anteil bestehst.

Wenn in dir mehrere Stimmen gleichzeitig reden

Ich begleite gerade eine junge Frau, bei der mir dieses Thema wieder sehr deutlich geworden ist. Nach außen wirkt sie ruhig, reflektiert und offen, während in ihr gleichzeitig einiges gegeneinander arbeitet. Ein Teil möchte verstehen, ein anderer möchte bloß nichts falsch machen, und irgendwo sitzt noch die große Sehnsucht danach, endlich anzukommen und Ruhe zu haben.

Sobald sie etwas erkennt, springt der Verstand an und möchte aus dieser Erkenntnis am liebsten sofort eine Aufgabe machen. Jetzt habe ich es verstanden, also muss ich es auch richtig umsetzen. Jetzt weiß ich, woher etwas kommt, also dürfte ich doch nicht mehr so reagieren. Schon wird aus einer Erkenntnis das nächste Projekt, das möglichst ordentlich und möglichst richtig abgearbeitet werden soll.

Ich kenne das von vielen Menschen. Kaum haben sie etwas über sich verstanden, möchten sie den neuen Zustand festhalten. Am besten dauerhaft, damit bloß nichts Altes mehr auftaucht. Nur funktioniert unser Inneres nicht wie ein Lichtschalter, bei dem man einmal auf „verstanden“ drückt und das Thema anschließend für immer erledigt ist.

Gerade dadurch entsteht oft noch mehr Spannung, weil zu dem ursprünglichen Gefühl zusätzlich der Gedanke kommt, man müsste doch längst weiter sein.

Kopf, Gefühl und Körper haben nicht immer denselben Fahrplan

Ich empfinde es als hilfreich, diese verschiedenen Ebenen überhaupt auseinanderhalten zu können. Der Verstand möchte Zusammenhänge erkennen und verstehen, warum etwas passiert. Gefühle brauchen oft erst einmal Raum, bevor sie sich verändern können, und der Körper reagiert auf seine eigene Art auf Sicherheit, Unsicherheit und Erfahrungen, die er gespeichert hat.

Das kann ziemlich verwirrend sein, wenn der Kopf schon drei Häuser weiter ist und der Körper noch in der Einfahrt steht.

Du kannst dir hundertmal erklären, dass du keine Angst haben musst, und trotzdem Herzklopfen bekommen. Du kannst wissen, dass ein Mensch nicht gut für dich ist, und ihn dennoch vermissen. Du kannst eine Entscheidung getroffen haben und am nächsten Morgen wieder zweifeln.

Ich sehe darin inzwischen nicht mehr automatisch einen Widerspruch, der sofort gelöst werden muss. Manchmal brauchen diese verschiedenen Ebenen einfach unterschiedlich lange, bis sie bei derselben Sache angekommen sind.

Der Fehler beginnt für mich eher dort, wo wir anfangen, einen Teil gegen den anderen auszuspielen. Wenn der Kopf den Körper beschimpft, weil er immer noch reagiert, oder wenn wir Gefühle wegargumentieren wollen, weil sie gerade nicht zu unserem schönen neuen Erkenntnisstand passen.

Damit wird es meistens nur lauter und hilft trotzdem nicht.

Warum wir so gern Kontrolle hineinbringen

Wenn es in uns unruhig wird, möchte der Verstand verständlicherweise wieder Ordnung und möglichst schnell Ruhe herstellen. Er sucht eine Erklärung, möchte eine Entscheidung treffen und am liebsten wissen, wie lange die ganze Angelegenheit noch dauert.

Das kann auch hilfreich sein. Unser Denken ist schließlich nicht der Feind und muss auch nicht spirituell abgeschafft werden.

Kritisch wird es nur, wenn wir glauben, wir könnten jede innere Bewegung dadurch kontrollieren, dass wir sie ausreichend analysieren. Dann sitzen wir über uns selbst wie über einer komplizierten Bedienungsanleitung und suchen verzweifelt den Knopf, mit dem sich das störende Gefühl endlich ausschalten lässt.

Genau da wird aus Selbsterforschung schnell Selbstüberwachung.

Du beobachtest dich dann nicht mehr aus Interesse, sondern kontrollierst durchgehend, ob du schon „richtig“ reagierst. Bin ich noch getriggert? Habe ich schon losgelassen? Bin ich jetzt endlich im Vertrauen? Warum denke ich schon wieder darüber nach?

Da kann man sich hervorragend den ganzen Tag mit sich selbst beschäftigen und trotzdem keinen Millimeter entspannter werden. Wen wundert’s?

Loslassen lässt sich schlecht befehlen

Mit dem Loslassen ist es ähnlich. Wir sagen uns: Jetzt lasse ich das endlich los. Dann stellen wir nach zwei Tagen fest, dass es immer noch da ist, und sind zusätzlich genervt, weil wir offenbar nicht einmal ordentlich loslassen können.

So habe ich Loslassen jedenfalls nie erlebt.

Manchmal verändert sich etwas, weil du plötzlich einen Zusammenhang wirklich verstehst und nicht nur intellektuell erklären kannst. Dann merkst du, warum du an etwas festgehalten hast, was du dir davon versprochen hast oder wovor du Angst hattest, wenn du es aufgibst. Diese Einsicht kann tatsächlich etwas entspannen, aber sie kann nicht erzwungen werden und sie führt auch nicht automatisch dazu, dass danach alles verschwunden ist.

Es kann sein, dass dein Kopf etwas verstanden hat und dein Körper trotzdem noch eine Weile braucht. Oder dass ein Thema Wochen später noch einmal auftaucht und du es dann aus einer anderen Perspektive siehst.

Das macht die erste Erkenntnis nicht wertlos. Es zeigt nur, dass Veränderung manchmal weniger spektakulär und nur linear verläuft, als wir es gern hätten.

Muss ein Konflikt überhaupt sofort weg?

Das ist eine Frage, die ich mir während meiner Krise oft gestellt habe, weil wir bei inneren Konflikten sehr schnell nach einer Lösung suchen. Dabei kann es manchmal viel hilfreicher sein, erst einmal zu verstehen, was da überhaupt miteinander ringt.

Vielleicht gibt es einen Teil in dir, der gehen möchte, und einen anderen, der Angst davor hat. Vielleicht möchtest du sichtbar werden und gleichzeitig am liebsten niemandem auffallen oder willst du frei sein und merkst gleichzeitig, wie sehr du an Sicherheit hängst.

Wenn du beide Seiten wahrnehmen kannst, ohne sofort eine davon zum Problem zu erklären, verändert sich schon etwas in der Art, wie du mit dir umgehst.

Ich erlebe das auch in meinen Metamorphosis-Räumen immer wieder. Sobald nicht mehr alles sofort repariert werden soll, kommt oft viel mehr Klarheit hinein. Dann darf eine Unsicherheit erst einmal da sein, ohne dass gleich ein OP-Besteck auf den Tisch muss, und manchmal zeigt sich erst dadurch, worum es tatsächlich geht.

Konflikte müssen deshalb für mich nicht verschwinden, damit ich innerlich ruhig sein kann. Viel wichtiger ist, ob ich mitten darin noch wahrnehmen kann, was gerade passiert, anstatt mich sofort gegen mich selbst zu stellen.

Seit ich das so sehe, empfinde ich innere Widersprüche auch nicht mehr automatisch als Rückschritt. Nicht selten zeigen sie mir einfach, dass etwas in Bewegung gekommen ist und noch nicht alle Teile von mir am selben Punkt angekommen sind. Damit kann ich inzwischen wesentlich besser umgehen, als mir einzureden, ich müsste nur bewusst genug sein und hätte dann nie wieder einen Konflikt.

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Was du Liebe nennst – und warum sie oft gar keine ist

Was du Liebe nennst – und warum sie oft gar keine ist

Was du Liebe nennst – und warum sie oft gar keine ist

Was du über Liebe gelernt hast, prägt, wie du sie heute lebst.

Was du über Liebe gelernt hast, prägt ziemlich stark, wie du sie später lebst, und trotzdem hinterfragen wir dieses Bild erstaunlich selten. Wir wachsen mit bestimmten Vorstellungen auf, beobachten unsere Eltern, hören Sätze über Beziehungen, erleben erste Verliebtheit und bauen uns daraus mit der Zeit eine ziemlich feste Idee davon auf, wie Liebe aussehen soll und was unbedingt dazugehören muss.

Geborgenheit gehört für viele dazu: Sicherheit, Aufmerksamkeit, Verlässlichkeit und Nähe, und daran ist überhaupt nichts verkehrt. Wo wir allerdings anfangen, den anderen dafür verantwortlich zu machen, dass wir uns dauerhaft sicher, gesehen, beruhigt oder wertvoll fühlen, da bekommt Liebe schnell eine Aufgabe, die sie gar nicht erfüllen kann, ohne eng zu werden.

Wie deine Vorstellung von Liebe entstanden ist

Schon als Kind bekommst du mit, wann Zuwendung da ist und wann sie weniger wird. Du merkst, ob du besonders viel Anerkennung bekommst, wenn du dich anpasst, brav bist oder etwas leistest, und du lernst sehr früh, wie sicher oder unsicher sich Nähe in deinem Umfeld anfühlt.

Solche Erfahrungen nehmen wir später mit in unsere Beziehungen, meistens, ohne bewusst darüber nachzudenken, und dann suchen wir uns Menschen, bei denen sich etwas vertraut anfühlt. Dieses Vertraute muss dabei nicht einmal angenehm sein, denn manchmal reicht schon das Gefühl, etwas irgendwie zu kennen. Was ich immer wieder spooky finde.

Manche wünschen sich einen starken Menschen an ihrer Seite, der Halt gibt und Sicherheit vermittelt. Andere fühlen sich besonders gebraucht, wenn sie organisieren, retten, tragen oder immer für alles zuständig sind. Wieder andere hoffen insgeheim darauf, von einem Partner endlich so gesehen zu werden, wie sie es früher vermisst haben.

So kann es passieren, dass dein Partner längst nicht nur dein Partner ist, sondern nebenbei noch die Rolle des Beschützers, der Mutter, des Vaters oder des Menschen übernimmt, der endlich etwas in Ordnung bringen soll, was schon viel älter ist als diese Beziehung. Das ist ganz schön viel Gepäck für zwei Menschen, die wahrscheinlich ursprünglich einfach nur miteinander leben wollten.

Angst die kräftig mitmischt

In Beziehungen kann alles Mögliche auftauchen. Manche Menschen geben ständig nach und nennen das Liebe, andere brauchen viel Drama und starke Emotionen, damit sie überhaupt das Gefühl haben, dass zwischen ihnen etwas lebt, und wieder andere merken gar nicht, wie schnell aus Nähe Kontrolle werden kann, wenn Verlustangst oder Unsicherheit Tagesbegleiter sind.

Schwierig wird es hauptsächlich dann, wenn wir diese Gefühle nicht erkennen und stattdessen dem anderen erklären, was er tun oder lassen muss, damit es uns wieder besser geht. Aus einem eigenen Gefühl wird dann plötzlich eine Verpflichtung für den Partner.

Der berühmte Satz „Wenn du mich lieben würdest, würdest du das nicht tun“ gehört für mich genau in diese Ecke. Den habe ich inzwischen so oft gehört, dass ich darauf fast schon körperlich reagiere.

Natürlich darfst du sagen, wenn dich etwas verletzt, und genauso darfst du Grenzen haben, Wünsche äußern und erwarten, dass dein Gegenüber dich ernst nimmt. Beziehung funktioniert schließlich nicht dadurch, dass jeder alles schluckt und sich gegenseitig erklärt, man müsse halt an seinen Triggern arbeiten. Trotzdem ist es etwas anderes, ob ich dir erzähle, was etwas in mir auslöst, oder ob ich daraus automatisch ableite, dass du dich verändern musst, damit ich mich wieder sicher fühle.

Wenn du merkst, dass du etwas ganz anderes gebraucht hast

Meist verändert sich der Blick auf eine Beziehung, weil du dich selbst veränderst. Dinge, die früher selbstverständlich waren, fühlen sich plötzlich anders an, und du erkennst Zusammenhänge, die du vorher gar nicht sehen konntest oder sehen wolltest.

Du merkst dann zum Beispiel, dass du einen Menschen lange gebraucht hast, weil er dir Halt gegeben hat, und genau das damals sogar wichtig für dich war. Jahre später kann es aber sein, dass du diesen Halt nicht mehr in derselben Form brauchst und deshalb auch die Beziehung anders erlebst.

Vielleicht erkennst du, dass du dich ständig kümmern musstest, um dich gebraucht zu fühlen, oder du vieles mitgetragen hast, weil du Angst hattest, sonst nicht mehr geliebt zu werden. Manche Menschen stellen irgendwann fest, dass sie ihren Partner stark idealisiert haben, weil er etwas verkörpert hat, das ihnen selbst gefehlt hat.

Solche Veränderungen können eine Beziehung ziemlich durcheinanderbringen, weil der andere sich darauf eingestellt hat, wie du bisher warst. Wenn du plötzlich anders reagierst oder Dinge nicht mehr mitmachst, die vorher selbstverständlich waren, kann das Irritation auslösen, obwohl sich am Verhalten des anderen zunächst gar nichts geändert hat.

Wenn du schon weißt, dass etwas nicht mehr passt

Diese Phase finde ich ja besonders spannend, weil wir kaum Geduld mit ihr haben. Du merkst, dass dein altes Bild von Beziehung nicht mehr stimmt, hast aber noch keinerlei Ahnung, wie es stattdessen aussehen soll, und sofort beginnt im Kopf die große Sitzung mit Tagesordnung.

Bleiben oder gehen? Liebe ich ihn noch? Ist das Wachstum oder rede ich mir gerade etwas schön? Muss ich jetzt eine Entscheidung treffen, und wenn ja, welche?

Als müsste nach einer Erkenntnis spätestens bis Dienstagmittag ein neuer fertiger Lebensplan vorliegen.

Manchmal braucht es aber genau diese Zeit, in der noch nichts entschieden ist, weil du erst einmal verstehen musst, was sich überhaupt verändert hat. Wenn du viele Jahre nach bestimmten Mustern gelebt hast, fällt nicht am nächsten Morgen eine neue Beziehungsform vom Himmel, nur weil du plötzlich etwas klarer siehst.

Es kann schon viel sein, wenn du für dich merkst, dass du etwas so nicht mehr möchtest wie bisher, und anfängst, genauer hinzuschauen, statt sofort die nächste endgültige Antwort zu produzieren.

Muss eine Beziehung deshalb enden?

Nicht unbedingt, denn Menschen entwickeln sich nicht alle auf dieselbe Art und auch nicht im selben Tempo. Manche Paare finden eine neue Form miteinander, andere merken, dass sie zwar noch verbunden sind, aber nicht mehr so leben möchten wie früher, und manchmal zeigt sich auch, dass eine Beziehung tatsächlich an ihr Ende gekommen ist.

Gerade mit zunehmendem Alter frage ich mich immer öfter, warum wir Beziehung noch so selbstverständlich nach einem ziemlich festen Modell denken. Zusammenwohnen, möglichst viel gemeinsam machen, ähnliche Vorstellungen vom Alltag haben, am besten noch denselben Rhythmus leben und die gleichen Fleece-Jacken tragen, weil sonst gleich die Frage auftaucht, ob das überhaupt eine richtige Partnerschaft ist.

Für manche Menschen passt genau dieses Modell wunderbar, während andere schon beim Gedanken daran merken, wie eng ihnen das wird. Warum sollte eine Verbindung weniger wert sein, nur weil zwei Menschen ihre eigenen Räume brauchen oder ihr Leben umorganisieren, als es früher vielleicht üblich war?

Die Form allein sagt erstaunlich wenig darüber aus, wie lebendig, ehrlich oder verbunden eine Beziehung tatsächlich ist. Man kann jahrzehntelang unter einem Dach wohnen und sich kaum noch begegnen, genauso wie zwei Menschen sehr verbunden sein können, obwohl sie nicht jeden Tag denselben Frühstückstisch teilen. Wobei ich zusammen frühstücken ja liebe.

Was für mich heute wichtiger geworden ist

Ich möchte Liebe nicht mehr daran messen, wie sehr zwei Menschen einander brauchen, weil dieses Brauchen schnell romantischer klingt, als es sich im Alltag anfühlt. Schau dir nen Rosamunde-Pilcher Film an, und du weißt, was ich meine. Mir ist wichtiger geworden, ob ich in einer Beziehung noch ich selbst sein kann, ob ich den anderen wirklich sehe und ob wir miteinander reden können, ohne uns ständig gegenseitig in alte Rollen zu drücken.

Ich möchte nicht der Mensch sein, ohne den jemand angeblich nicht leben kann, denn so romantisch das zunächst klingt, so anstrengend kann es werden, wenn daraus eine Dauerzuständigkeit für das Innenleben des anderen entsteht. Genauso wenig möchte ich jemanden brauchen, damit ich mich vollständig fühle oder überhaupt weiß, wer ich bin.

Wenn ich mit einem Menschen zusammen bin, möchte ich dort sein, weil ich diesen Menschen wirklich in meinem Leben haben will, und nicht, weil ich glaube, ohne ihn würde mir etwas Wesentliches fehlen. Wie eine Beziehung dann aussieht, darf sich verändern, wachsen, enger oder freier werden und muss nicht für immer in dieselbe Form passen.

Für mich ist das heute wesentlich stimmiger als jede Vorstellung, nach der Liebe daran gemessen wird, wie gut zwei Menschen gegenseitig ihre Lücken stopfen.

Weitere Impulse für deine Beziehung zu reflektieren, findest du in meinem Buch „Beziehung ist das Gegenteil von dem, was du denkst“ Die wenigsten schauen genauer hin, weil sie Angst haben, was sie sehen.

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