Wer sind deine Fünf

Wer sind deine Fünf

Wer sind deine Fünf

Das Moai-Prinzip

Ich sitze hier und überlege, was ich dieses Jahr in der Adventszeit mit meiner Chiarezza-Gruppe und meinen 1-zu-1-Menschen machen möchte. Ich hätte gern wieder etwas, das nicht nur nett ist, sondern wirklich verbindet.

Dabei musste ich an unser Kintsugi-Ritual denken. Falls du damals bei meinen 24 Tagen dabei warst, erinnerst du dich vielleicht noch daran. Jeder hatte seine eigene Schale, die wir zerbrochen und anschließend mit Gold wieder zusammengesetzt haben. Später haben wir uns im Zoom getroffen, unsere Schalen gezeigt und darüber gesprochen, was dieser Prozess mit uns gemacht hat.

Meine Schale habe ich heute noch. Wenn ich sie sehe, denke ich nicht zuerst daran, dass sie einmal kaputt war. Ich sehe diese goldenen Linien und erinnere mich an diesen Abend und an dieses Gefühl, dass jeder für sich etwas gemacht hat und wir trotzdem miteinander verbunden waren. So etwas mag ich. Nicht dieses erzwungene „Wir sind jetzt alle eine große Familie“, sondern Gemeinschaft, die einfach entsteht, weil Menschen sich wirklich begegnen.

Kurz danach bin ich in einem Hörbuch wieder auf die Blue Zones gestoßen, also auf Regionen, in denen auffallend viele Menschen ein hohes Alter erreichen. Dabei wurde auch über das sogenannte Moai gesprochen, eine Tradition aus Okinawa. Dabei schließen sich kleine Gruppen von Menschen zusammen, die sich über viele Jahre gegenseitig unterstützen, ganz praktisch im Alltag, emotional und teilweise auch finanziell.

Ich hörte das und dachte sofort: Das gefällt mir.

Kein großes Konzept, keine zwölf Schritte zur vollkommenen Verbundenheit und auch kein Wochenendseminar mit Abschlusszertifikat. Menschen, die wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können.

Daraufhin habe ich über meine eigenen Menschen nachgedacht und gemerkt, dass die Frage „Wer sind deine Fünf?“ gar nicht so leicht zu beantworten ist.

Nicht, weil ich niemanden habe. Aber wenn ich genauer hinschaue, macht es schon einen Unterschied, ob ich jemanden gernhabe, gern mit ihm rede oder ob ich bei diesem Menschen tatsächlich nichts darstellen muss.

Bei wem kann ich einfach Claudia sein? Nicht diejenige, die gerade begleitet, einen Gedanken dazu hat oder meistens ziemlich schnell sieht, wo der Hase im Pfeffer liegt. Bei wem kann ich auch sagen, dass mir gerade alles auf den Keks geht, dass ich müde bin oder überhaupt keine Ahnung habe, was ich mit einer Situation anfangen soll?

Da wird die Auswahl schon übersichtlicher.

Kleine Teeschale, hellblau, braun, geklebt nach Kintsugi Priip

Menschen, bei denen du nichts leisten musst

Wir haben uns ziemlich daran gewöhnt, vieles allein mit uns auszumachen. Gerade Menschen, die sonst viel für andere da sind, merken oft gar nicht, wie selten sie selbst jemanden anrufen und sagen: „Du, ich brauch dich gerade mal.“ Das kenne ich selbst zu gut.

Man kann den ganzen Tag mit Menschen sprechen, Nachrichten beantworten, zuhören und sich austauschen und am Abend trotzdem feststellen, dass einen heute eigentlich niemand gefragt hat, wie es einem selbst geht. Nicht dieses höfliche „Alles gut?“, bei dem ohnehin schon erwartet wird, dass man „Ja“ sagt, sondern so, dass die Antwort auch länger dauern dürfte.

Für mich sind genau das die Menschen, die zu meinen Fünf gehören würden. Bei denen ich mich nicht vorher sortieren muss, bevor ich anrufe. Die auch aushalten, wenn ich gerade nichts Kluges zu sagen habe. Und die nicht sofort mit einem Lösungskoffer oder einem ihrer schlauen Bücher angerannt kommen, wenn ich nur mal erzählen möchte.

Wobei ich vermutlich selbst auch nicht immer völlig unschuldig am Lösungskoffer bin. Berufskrankheit. Manchmal wäre es wahrscheinlich für alle Beteiligten gesünder, wir würden einfach gemeinsam einen Kaffee trinken und die Klappe halten.

Wer würde dir einfallen?

Wenn du diese Frage jetzt für dich beantworten müsstest: Wer wären deine Fünf?

Wer sind die Menschen, die dich kennen, wenn du gerade nichts Beeindruckendes vorzuweisen hast? Wen könntest du nachts anrufen, wenn wirklich etwas wäre? Wer meldet sich auch einmal bei dir, ohne vorher etwas zu brauchen?

Es müssen übrigens nicht fünf sein. Vielleicht sind es drei, zwei oder im Moment nur einer. Ich würde daraus keinen neuen Leistungssport machen und jetzt anfangen, hektisch Freundschaften zu sammeln, damit die Moai-Liste vollständig wird.

Neugierig bin ich eher, wie diese Verbindungen tatsächlich aussehen. Ob wir uns nur erzählen, dass wir einander nah sind, oder ob wir uns auch wirklich zeigen. Ob ich Hilfe annehmen kann, wenn sie mir angeboten wird. Und ob ich überhaupt sage, wenn ich jemanden brauche, oder still darauf warte, dass der andere hellsehen kann.

Manche Beziehungen könnten vermutlich schon davon profitieren, wenn wir weniger darüber nachdenken, wie Verbundenheit aussehen sollte, und öfter miteinander Zeit verbringen.

Von mir aus auch schweigend im Wald. Da kann man wunderbar gemeinsam wo hinschauen, wo überhaupt kein Reh steht. Das beherrsche ich inzwischen ziemlich gut.

Und meine Adventsidee?

Die ist beim Schreiben dieses Textes immer noch nicht vollständig vom Himmel gefallen. Aber das Thema gefällt mir. Vielleicht wird daraus etwas für meine Gruppe, vielleicht führt es mich noch ganz woanders hin. Bis dahin lasse ich das Moai einfach mal bei mir herumliegen und schaue, was daraus wird.

Die neuen Rattenfänger von Hameln

Die neuen Rattenfänger von Hameln

Die neuen Rattenfänger von Hameln

… und warum wir ihnen freiwillig folgen

Früher gab es die Flöte, heute reicht ein Algorithmus. Und wir laufen ziemlich bereitwillig hinterher, mit Herzchen und Daumen nach oben in den Augen, Klickzahlen im Kopf und der Hoffnung, dass der nächste Post, das nächste Reel oder die nächste Idee endlich das bringt, was wir uns davon versprechen: mehr Sichtbarkeit, mehr Erfolg oder mehr Bestätigung.

Die Rattenfänger sind nämlich nicht verschwunden. Sie haben nur ihr Instrument gewechselt. Heute locken sie mit Versprechen wie: „Werde Millionär über Nacht“, „Heile dein Trauma in drei Tagen“ oder „Manifestiere dir dein Traumleben mit Pool und Prada“. Je einfacher die Lösung klingt, desto besser verkauft sie sich offenbar.

Ich nehme mich da überhaupt nicht aus. Wenn ich etwas poste, schaue ich natürlich auch, wie viele Menschen es gelesen haben und ob Reaktionen kommen. Ich sitze zwar nicht alle fünf Minuten davor, aber ich schaue. Wenn etwas gut läuft, freut mich das, und wenn etwas komplett verpufft, denke ich schon mal: Na wunderbar.

Das Problem beginnt für mich dort, wo aus dieser ganz normalen Freude an Resonanz eine Abhängigkeit wird und wo genau diese menschliche Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit und Anerkennung gezielt benutzt wird, um etwas zu verkaufen.

Verkaufspsychologie ist nichts Neues. Neu ist eher, wie selbstverständlich sie sich inzwischen mit Spiritualität, Persönlichkeitsentwicklung und Heilungsversprechen vermischt. Da wird aus einer echten Sehnsucht schnell ein Call-to-Action und aus einem wunden Punkt wird eine Verkaufschance.

Wenn aus Herzensworten Werbesätze werden

Ich beobachte schon länger, dass Menschen, die früher sehr natürlich geschrieben oder gesprochen haben, anfangen, sich völlig anders auszudrücken. Plötzlich klingt alles glatt, berechnet und nach Marketing. Da wird über Authentizität gesprochen, während im Hintergrund schon der nächste Funnel bereitsteht.

Natürlich darf jeder Marketing machen. Ich verkaufe ja selbst Angebote und Bücher und habe kein Problem damit, wenn jemand mit seiner Arbeit Geld verdient. Mich stört etwas anderes: wenn Menschen nicht mehr eingeladen, sondern gezielt an ihren Unsicherheiten gepackt werden.

Wenn künstlicher Mangel erzeugt wird, Angst eingesetzt oder suggeriert wird, dass du etwas verpasst, hinterherhängst oder nicht weit genug bist, wenn du jetzt nicht buchst.

Da sitzt dann jemand und erklärt dir, du sollst endlich bei dir ankommen, während gleichzeitig an deiner Angstleine gezogen wird.

Hopp, mein Pony, und genau da bin ich raus.

Aus Sehnsucht wird ein Geschäftsmodell 

Besonders schwierig finde ich das in Bereichen, in denen Menschen sowieso schon verletzlich sind. Wer nach Hilfe sucht, weil es ihm schlecht geht, weil er Orientierung braucht oder weil er sich verändern möchte, ist natürlich empfänglicher für große Versprechen.

Dann wird aus der Sehnsucht nach Heilung schnell ein Produktversprechen, aus Schmerz ein Verkaufsargument und aus ausbleibendem Erfolg am Ende wieder ein persönliches Versagen.

Wenn es nicht funktioniert hat, hast du eben nicht richtig manifestiert, nicht genug geglaubt oder nicht konsequent genug an dir gearbeitet.

Das ist praktisch, weil das Angebot selbst nie hinterfragt werden muss. Genau diese Nummer macht mich wütend. Nicht, weil ich grundsätzlich etwas gegen Programme, Kurse oder Begleitung habe. Ganz im Gegenteil, da ich selbst Menschen begleite. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen einem Angebot und dem Versuch, jemanden so lange an seinem Mangelgefühl zu bearbeiten, bis er kauft.

Likes bedeuten plötzlich mehr, als sie sollten

Social Media macht noch etwas anderes mit uns. Es kann eine Wahrnehmung erzeugen, in der Zahlen viel größer werden, als sie tatsächlich sind.

Ich habe das vor einiger Zeit bei einer jungen Frau erlebt, die auf Instagram viele Follower hat, primär Männer. Sie ist es gewohnt, dass auf Bilder und Videos sofort Reaktionen kommen und dass sie wahrgenommen wird.

Dann saß sie in einer Runde mit echten Menschen, ging kurz raus und kam später mit den Worten zurück: „So, ich bin wieder da.“

Einer der Männer am Tisch meinte nur: „Ist gar nicht aufgefallen, dass du weg warst.“

Sie fing an zu weinen. Nicht ein paar Tränchen, sondern richtig. Ich war zuerst vollkommen perplex und dachte tatsächlich, sie nimmt uns gerade auf den Arm. Ne, hat sie aber nicht, sie war wirklich zutiefst betroffen.

Dieser Moment hat mir ziemlich deutlich gezeigt, wie weit Online-Wahrnehmung und echtes Leben auseinanderliegen können. Im Netz bekommst du innerhalb von Sekunden Reaktionen, Kommentare, Herzchen und Aufmerksamkeit. In einer realen Runde kann es passieren, dass niemand bemerkt, dass du gerade fünf Minuten draußen warst.

Das sagt nichts darüber aus, wie wertvoll oder unwichtig ein Mensch ist. Es zeigt nur, wie schnell man sich an ständige Resonanz gewöhnen kann und wie merkwürdig sich normale Realität dann plötzlich anfühlt.

Online bist du schnell Mittelpunkt deiner eigenen kleinen Bühne. Im echten Leben bist du halt manchmal einfach einer von mehreren Menschen am Tisch. Das ist für mich ziemlich gesund, auch wenn es sich nach tausend Likes erschreckend unspektakulär anfühlen kann.

Meine Reißleine

Vor ein paar Wochen habe ich für mich wieder eine ziemlich klare Grenze gezogen. Ich hatte mich bei einem Programm angemeldet, weil ich dachte, ich könnte vielleicht noch etwas lernen, wie ich eines meiner Produkte besser an Mann oder Frau bringe.

Nach dem ersten Tag war ich innerlich schon draußen.

Mich hat das Ganze so abgestoßen, dass ich anschließend noch einen zweiten Rundumschlag gemacht und sämtliche Marketing-Newsletter abbestellt habe, die ich noch im Postfach hatte. Auch die, bei denen ich früher dachte, da könnte ja irgendwann noch der entscheidende goldene Tipp kommen.

Kam allerdings nicht.

Stattdessen las ich immer wieder dieselben Fragen: „Wie optimierst du deinen Funnel? Wie erhöhst du deine Conversion? Wie machst du aus Menschen Kunden?“

Ich möchte Menschen begegnen, ihnen zeigen, was ich anbiete, und dann dürfen sie selbst entscheiden, ob sie damit etwas anfangen können. Natürlich möchte ich, dass meine Arbeit gesehen wird und Menschen meine Angebote buchen. Ich lebe ja nicht von Waldluft und spiritueller Begeisterung. Aber ich möchte niemanden so lange psychologisch bearbeiten, bis er glaubt, ohne mein Angebot nicht weiterzukommen.

Seit ich das für mich wieder klarer habe, ist auch dieser ständige Druck weniger geworden, jeden Text danach zu beurteilen, ob er gut „zieht“. Das Schreiben macht mir wesentlich mehr Spaß, wenn ich nicht im Hinterkopf einen Marketing-Messias sitzen habe, der jedes zweite Wort nach Conversion-Potenzial bewertet.

Wem folge ich?

Das ist inzwischen die Frage, die ich mir viel öfter stelle, wenn ich etwas buche oder glaube, ich müsste etwas auf eine ganz bestimmte Art machen.

Passt das überhaupt zu mir?

Nicht jede Strategie ist schlecht, nur weil sie eine Strategie ist. Nicht jeder Mensch, der Marketing betreibt, ist automatisch ein Rattenfänger. Aber ich merke ziemlich schnell, wenn ich anfange, mich von meiner eigenen Art zu entfernen, nur weil mir jemand erklärt, so müsse man es eben machen, wenn man erfolgreich sein will.

Ich habe das oft genug ausprobiert und jedes Mal festgestellt, dass es mich auf Dauer mehr Kraft kostet, als es bringt.

Deshalb mache ich inzwischen lieber Dinge auf eine Weise, die mir entspricht, auch wenn es länger dauert. Die Menschen, die damit etwas anfangen können, finden mich trotzdem. Und diejenigen, die erst drei künstliche Verknappungen, fünf Trigger und einen Countdown brauchen, damit sie etwas buchen, passen sowieso nicht besonders gut zu mir.

Damit kann ich erstaunlich gut leben.

Was ich im letzten Quartal 2025 erleben will

Was ich im letzten Quartal 2025 erleben will

Meine To-Want-Liste 2025

Meine Ziele sind anders als gedacht

Ich bin kein Fan von Ziel- und To-do-Listen. Wer meine Arbeit und mich kennt, weiß auch warum. Das Leben lässt sich nicht in Punkte packen, die man abhakt. Es will gelebt werden, nicht kontrolliert. Es ist auch kein ständiger Leistungszirkus.

Und trotzdem: Manchmal tut es gut, innezuhalten. Zu spüren, was in mir reifen will. Was ich mir wünsche – nicht als Plan, sondern als Einladung ans Leben. Als leises „Ja“ zu dem, was kommen darf.

Das hier ist keine To-do-Liste. Es ist eher eine Sammlung von Momenten, Gefühlen und Erfahrungen, die ich mir für die letzten Monate dieses Jahres vornehme. Manche davon werde ich umsetzen. Manche werden sich von selbst ergeben. Und manche? Die lasse ich einfach los, wenn sie nicht passen.

Beruflich

1. Vertrauen – mein tägliches Training. Auch wenn dieses Jahr ruhiger war, hat mich das Leben getragen. Ich wurde versorgt, mir fehlte nichts. Vertrauen bleibt mein größtes Muskeltraining. Weil der Verstand nie aufhört zu rechnen, mir alle Gefahren aufzeigt, wie z. B. „Du landest unter der Brücke“. – aber mein Herz weiß längst, dass es reicht. Und vielleicht ist genau das die Lektion: nicht mehr, sondern anders. 

2. Bewusst schreiben. Ich will mein Blogschreiben vertiefen, neue Texte entstehen lassen und schauen, wie sie sichtbarer werden dürfen, ohne mich zu verbiegen. Schreiben ist mein Weg, meiner Wahrheit Form zu geben. Jedes Wort, das ich schreibe, ist ein Stück von mir, das ich teile – ohne Maske und Filter, auch wenn es anders bequemer wäre. Und ich will sehen, wie diese Wahrheit wirkt, wenn ich sie wirklich zeige. Wenn ich mich nicht mehr verstecke hinter schönen Formulierungen, sondern einfach sage, was ist.

3. Klarheit leben. Ich sage, was Fakt ist. Ich biege mich nicht mehr, damit’s anderen passt. Weil Klarheit nicht hart ist – sie ist ehrlich. Und Ehrlichkeit ist das größte Geschenk, das ich anderen und mir machen kann. Manchmal tut Wahrheit weh. Aber Lüge macht krank. Und ich bin hier, um zu heilen – nicht, um zu gefallen.

4. Präsenz in meiner Chiarezza-Gruppe. Chiarezza darf wachsen, komplett natürlich und so, wie sie gedacht ist. Kein Druck und kein Marketing-Gerede. Einfach ehrliche Begegnungen. Ich will spüren, wie sich echte Gemeinschaft anfühlt, wenn sie nicht konstruiert wird, sondern entsteht. Wenn Menschen sich zeigen dürfen, wie sie sind. Wenn Raum da ist für das, was jetzt da ist. Chiarezza Gruppe

5. Weihnachtsretreat vorbereiten. Den Raum halten für Tiefe, Wahrheit und Herz. Kein Konzept, kein Programm – nur Begegnung. Ich will einen Raum schaffen, in dem Menschen einfach sein dürfen. Wo niemand Leistung zeigen muss. Stille genauso wertvoll ist wie Worte und Tränen genauso willkommen sind wie Lachen. Weihnachtsretreat I am

6. Meine Stimme weiterentwickeln. Einen meiner Blogtexte laut aufnehmen als Podcast und anhören. Vielleicht auch ein kurzes Audio für meine Community. Ich will hören, wie meine Wahrheit klingt, wenn sie durch mich fließt – nicht nur auf Papier, sondern lebendig. Weil meine Stimme mehr ist als Worte. Sie trägt Schwingung, Präsenz und vielleicht berührt sie genau deshalb.

7. Räume klären. Alles, was zu viel ist, darf gehen. Digital, materiell und menschlich. Weil Raum nur entsteht, wenn ich loslasse, was nicht mehr schwingt. Und manchmal ist das Schwierigste nicht das Festhalten – sondern zu erkennen, dass es Zeit ist, zu gehen. Dass Abschied auch Liebe sein kann.

Gesundheit

8. Mehr Krafttraining für meinen Körper. Ich habe dieses Jahr meine Ernährung feiner justiert und mehr Bewusstsein beim Essen entwickelt. Jetzt möchte ich das auf meinen Körper ausweiten. Mehr Kraft aufbauen, nicht nur, um stärker zu sein, sondern um mich zu spüren. Um zu fühlen, wie Energie durch meinen Körper fließt. Wie Muskeln wieder fester werden. Mein Körper ist mein Zuhause und er verdient es, dass ich ihn nicht nur pflege, sondern feiere.

9. Körperlich dranbleiben – auch wenn ich keine Lust hab. Weiter Krafttraining, auch an den Tagen, an denen der innere Schweinehund brüllt. Muskeln aufbauen, Energie halten, mich spüren. Weil mein Körper mich durch alles trägt – durch jeden Gedanken, jedes Gefühl, jede Begegnung. Er fragt nicht, ob er gerade Lust hat, er tut es einfach. Also gebe ich ihm zurück, was er benötigt: Bewegung, Kraft, Aufmerksamkeit. An meinem nächsten Buch kann ich auch danach weiterschreiben.

10. Ernährung weiter verfeinern. Ich will noch mehr hormonfreundliche Gerichte selbst zusammensetzen, mehr Achtsamkeit bei dem, was ich meinem Körper gebe. Weil ich mittlerweile spüre, wie anders ich mich fühle, wenn ich ihm gebe, was er wirklich braucht. Wie sich Energie verändert, Klarheit im Kopf einstellt, mein Nervensystem entspannter wird, durch bestimmte Zutaten oder allein, was esse oder trinke ich zu welcher Tageszeit? Ernährung ist für mich kein Verzicht – sie ist Selbstliebe in Form von Nahrung.

WOHLFÜHLMOMENTE

Meine zwei Corgis im Wald Oscar und Carlo

11. Herbstwanderung mit meinen Hunden Oscar und Carlo. Einfach raus. Wald, Nebel, bunte Blätter, Stille. Ich liebe es, wenn sich die Jahreszeit so spürbar verändert. Wenn die Luft anders riecht, wenn das Licht weicher wird. Diese Momente erden mich wie nichts anderes. Carlo und Oscar rennen voraus, und ich? Also, rennen tu ich nicht, aber ich bin einfach da. Ohne Gedanken und ohne irgendeinen Plan. Nur atmen, lachen über die zwei Racker.

12. Zeit ohne Termine. Ein paar Tage ohne alles. Kein Call, kein Plan, kein Müssen. Nur in den Tag mit Schlafanzug hineinleben. Weil ich in der Stille am klarsten bin – und am meisten bei mir. Und manchmal braucht es genau das: nichts.

13. Spaziergänge (hoffentlich) im Schnee. Vielleicht mit warmem Tee im Thermobecher. Einfach diese gedämpften Geräusche oder Stille. Es gibt kaum etwas Magischeres als verschneite Stille – sie macht alles weich und klar zugleich. Wie eine Decke, die sich über die Welt legt und sagt: Psst … jetzt ist Pause.

14. Ein Bad nehmen mit Kerzen und Musik. Ganz bewusst Zeit nur für mich. Wasser, Wärme und meine Lieblingsmusik. Nicht nur, weil mein Körper, mein Nervensystem diese Momente des Ankommens brauchen, sondern einfach, weil ich es liebe. Wo nichts von mir erwartet wird. Wo ich einfach nur daliegen darf. Natürlich bleiben Oscar und Carlo draußen, sonst ist nix mit Ruhe.

15. Eine Massage gönnen. Loslassen, getragen werden, nichts ausführen müssen. Berührung ist einfach wundervoll und ich bin so dankbar für diesen wertvollen Dienst an mir.

16. Einen Tag komplett offline verbringen. Handy aus und keine Internetverbindung, um immer wieder zu spüren, wie sich Leben anfühlt, wenn nichts dazwischenfunkt. Keine Nachricht wartet, nur der Moment, so wie er ist.

17. Einen Mistelzweig kaufen, sobald es ihn gibt. Ein kleines Symbol für das, was kommen darf. Diese Tradition liebe ich, und dann pilgere ich auf unseren Stadtmarkt und meistens kommt noch ein wunderschöner Blumenstrauß dazu. Manchmal sind es die kleinen Rituale, die uns erinnern: Ja, es ist bald Weihnachten, und ja, jeder darf sich darunter küssen.

18. Einen Nachmittag im Café verbringen. Nur beobachten und da sein. Das mache ich so gerne mit Begeisterung. Menschen schauen, Gedanken ziehen lassen, einfach präsent sein ohne etwas. Manchmal ist das größte Geschenk: nichts zu wollen. Einfach nur zu schauen, wie das Leben fließt.

19. Einen Film- oder Serienabend nur für mich. Als begeisterter Serienjunkie mit allem, was dazugehört: Decke, Snacks, keine Unterbrechungen. Weil auch Genuss eine Form von Selbstfürsorge ist. Weil es okay ist, einfach mal abzuschalten und in eine andere Welt einzutauchen. Ohne schlechtes Gewissen. Und ja, es muss null Sinn ergeben – außer Spaß, Spannung und Entspannung –, kommt einfach darauf an.

20. Meine Wunschmutter und die Lebensgefährtin meines verstorbenen Vaters besuchen. Zeit mit Menschen, die zu meinem Herzen gehören. Weil Verbindung nicht selbstverständlich ist – und ich diese Beziehungen pflegen will. Weil manche Menschen Familie sind, auch wenn kein Blut uns verbindet. Und weil Liebe Zeit braucht und Zeit meine Sprache der Liebe ist.

21. Essen gehen mit einer Freundin. Lachen, reden, einfach Zeit miteinander haben. Weil Freundschaft genährt werden will, nicht nur gedacht. Weil es guttut, gesehen zu werden. Gehört zu werden und nicht als Lehrerin – sondern einfach als Mensch.

22. Dankbarkeit üben. Nicht als Übung, sondern als Haltung. Weil Dankbarkeit mich immer wieder daran erinnert, wie viel schon da ist. Wie viel mich trägt und hält und dass ich nicht allein bin – nie.

23. Weihnachtsurlaub. Ab 20. Dezember bis 6. Januar. Ich freu mich auf Schlafanzugtage, auf Weihnachtsfilme, auf gutes Essen, auf Familie. Auf das Gefühl, einfach nichts zu müssen, aber alles zudürfen. Auf das Ausklingen des Jahres. Und ich bin dankbar, dass ich das so leben kann. 

Und du?

Vielleicht magst du dir auch mal einen Moment nehmen. Nicht um Ziele zu setzen, sondern um zu spüren: Was will in mir reifen? Was möchte ich erleben, fühlen, teilen?

Es muss keine perfekte Liste sein. Einfach wonach dir ist.

Begegnung in Eigenverantwortung

Begegnung in Eigenverantwortung

Begegnung in Eigenverantwortung

 

Wenn Liebe plötzlich zur Bedingung wird

„Wenn du mich liebst, dann gehst du heute nicht mit deinen Freunden weg.“ Oder: „Wenn du mich liebst, dann hörst du auf, andere Bodybuilder zu posten, die du toll findest.“ Genau diesen Satz hat meine Tochter einmal von ihrem damaligen Freund gehört, obwohl er sie mit ihrer Begeisterung für diesen Sport kennengelernt hatte.

Solche Sätze klingen im ersten Moment harmlos, weil wir sie so ähnlich alle schon gehört haben. Nur steckt darin eine ziemlich klare Botschaft: Wenn du mich liebst, dann verändere bitte dein Verhalten so, dass ich mich wieder besser fühle.

Das hat für mich mit Liebe wenig zu tun und sehr viel damit, dass wir unsere eigenen Gefühle gern beim anderen abladen. Ich bin eifersüchtig, also sollst du etwas lassen. Ich fühle mich unsicher, also sollst du dich anders verhalten. Ich habe Angst, dich zu verlieren, also schränke bitte deine Freiheit so weit ein, bis ich mich wieder beruhigt habe.

Natürlich beeinflussen wir uns in Beziehungen gegenseitig, alles andere wäre ja auch eine ziemlich sterile Veranstaltung. Aber es macht einen Unterschied, ob ich meinem Partner sage, was etwas in mir auslöst, oder ob ich von ihm verlange, dass er sich ändern muss, damit ich mit meinem Gefühl nicht mehr konfrontiert werde.

Was Eigenverantwortung in Beziehung wirklich heißt

Eigenverantwortung bedeutet für mich nicht, dass ich bei jedem Konflikt sofort bei mir suchen muss und der andere automatisch fein raus ist. Wenn mich jemand respektlos behandelt, Grenzen überschreitet oder sich schlicht danebenbenimmt, darf ich das genauso benennen.

Genauso darf ich aber schauen, warum mich etwas so stark trifft, was davon mit meiner Geschichte zu tun hat und ob ich gerade auf das reagiere, was wirklich passiert, oder ob da noch etwas Altes angestoßen wird.

Das ist für mich wichtig, weil Beziehung sonst sehr schnell zu einem Spiel wird, bei dem jeder versucht, den anderen passend zu machen. Wenn du nur anders wärst, wäre ich entspannter. Wenn du mehr reden würdest, wäre ich sicherer. Wenn du weniger frei wärst, müsste ich keine Angst haben.

So kann man natürlich Jahre miteinander verbringen. Besonders lustig wird es meistens nicht.

Eigenverantwortung heißt für mich, dass ich meine Gefühle ernst nehme, ohne sie automatisch zur Aufgabe des anderen zu machen. Ich darf sagen, dass mich etwas verletzt, dass ich eifersüchtig bin oder mich eine Situation verunsichert. Aber ich kann nicht selbstverständlich erwarten, dass mein Gegenüber sein Leben so ummodelt, dass bei mir nie wieder etwas Unangenehmes hochkommt. Was es auch nicht soll.

Wenn Eifersucht den anderen verändern soll

Bei meiner Tochter war genau das der Punkt. Sie hatte schon immer Bodybuilder gepostet, die sie gut fand, weil das ihr Sport ist und sie sich dafür begeistert. Ihr damaliger Freund kannte sie so, und trotzdem kam später die Forderung, damit aufzuhören, wenn sie ihn wirklich lieben würde.

Natürlich kann so etwas Eifersucht auslösen. Der andere sieht Menschen, die er als Konkurrenz empfindet, fühlt sich plötzlich nicht gut genug oder bekommt Angst. Nur verschwindet dieses Gefühl nicht automatisch dadurch, dass der Partner ab sofort alles vermeidet, was es auslösen könnte.

Dann ist zwar der Auslöser weg, aber das Thema selbst sitzt weiterhin gemütlich neben ihm auf dem Sofa. Nein, ich meine nicht meine Tochter, sondern seinen Minderwert.

Viel ehrlicher wäre es, zu sagen: „Das macht gerade etwas mit mir, ich merke, dass ich mich vergleiche oder unsicher werde, und ich möchte verstehen, warum mich das so trifft.“

Dabei darf natürlich trotzdem miteinander gesprochen werden. Eigenverantwortung bedeutet ja nicht, dass jeder schweigend seine Gefühle im stillen Kämmerlein sortiert und man sich abends zum Essen wieder trifft. Beziehung lebt davon, dass wir uns mitteilen. Nur ist Mitteilen etwas anderes als Fordern.

Dein Partner ist nicht dein Patient

Gerade wenn jemand selbst als Coach, Therapeut oder in einem anderen begleitenden Beruf arbeitet, kann die Versuchung ziemlich groß sein, auch zu Hause sofort zu wissen, was beim anderen los ist.

Dann wird aus einem Streit schnell eine Analyse und aus dem Partner ein Fall, den man nur noch richtig verstehen und bearbeiten muss. Und das entsprechende Globuli hat man auch schon in der Hand.

Bitte nicht.

Eine Partnerschaft ist kein Behandlungszimmer und Kinder sind auch keine Reparaturprojekte. Dein Partner braucht nicht bei jedem Konflikt eine Diagnose, und euer Küchentisch oder Sofa muss wirklich nicht zur Therapiecouch werden.

Natürlich siehst du bei einem Menschen, der dir nahesteht, vieles. Manchmal erkennst du sogar sehr deutlich, wo etwas herkommt. Trotzdem bleibt es sein Weg, was er damit macht und ob er sich das überhaupt anschauen möchte.

Das finde ich gerade in Beziehungen wichtig, weil es schnell übergriffig werden kann, wenn einer ständig meint, besser zu wissen, was beim anderen „das Thema“ ist. Dann begegnen sich keine zwei erwachsenen Menschen mehr, sondern einer sitzt innerlich schon mit Klemmbrett da und der andere weiß noch gar nicht, dass die Sitzung begonnen hat.

Ich möchte in Beziehungen nicht behandelt werden und auch niemanden behandeln, sondern einem Menschen begegnen.

Wenn keiner den anderen reparieren muss

Für mich wird Beziehung freier, wenn beide aufhören, den anderen für das eigene Innenleben zuständig zu machen. Dann kann ich sagen, was mich bewegt, ohne sofort eine Forderung daraus zu bauen, und ich kann gleichzeitig hören, was beim anderen los ist, ohne es sofort lösen zu müssen.

Das heißt nicht, dass Beziehungen dadurch konfliktfrei werden, obwohl es wunderbar wäre. Wahrscheinlich ist das sowieso eine ziemlich unrealistische Erwartung. Aber es verändert die Art, wie wir miteinander umgehen, weil nicht mehr ständig einer am anderen herumschrauben muss.

Ich kann dich lieben und trotzdem eine Grenze haben. Ich kann verstehen, warum du so reagierst, und trotzdem sagen, dass ich so nicht behandelt werden möchte. Ich kann sehen, dass etwas bei dir gerade schwer ist, ohne sofort den Werkzeugkoffer für deine persönliche Entwicklung auszupacken.

Genau das verstehe ich unter Begegnung in Eigenverantwortung. Zwei Menschen, die miteinander verbunden sind, ohne sich gegenseitig zu Patienten, Projekten oder persönlichen Glückslieferanten zu machen.

Und ganz ehrlich, damit hat eine Beziehung schon genug zu tun.