Wenn andere Angst vor deiner Entwicklung haben

Wenn andere Angst vor deiner Entwicklung haben

Wenn andere Angst vor deiner Entwicklung haben

Begleitung macht nicht abhängig.

Manchmal sagt jemand von außen: „Pass auf, dass du nicht abhängig wirst.“ Und ich denke mir: Wow, spannend. Wo kommt das denn jetzt her?

Neulich verlängerte eine junge Frau ihre Begleitung von drei auf sechs Monate. Ihre Mutter streckt ihr das Geld vor – eine wundervolle, liebevolle Geste. Doch da war auch gleich die Frage: „Hast du nicht Angst, von Claudia abhängig zu werden?“

Und weißt du was? Ich verstehe diese Frage.

Wirklich.

Weil, wenn dein Kind (oder auch ein Partner) sich jemandem anvertraut, wenn Geld investiert wird, wenn es sagt „Ich brauche noch mehr Zeit“ – dann kann das Angst machen. Die Angst, dass da jemand Einfluss nimmt oder das Kind (ok., das Kind ist 39 Jahre) sich zu sehr verändert, die Angst, dass du es vielleicht verlierst. Was an sich vollkommener Quatsch ist, doch du weißt ja, was dein Verstand sich da so den lieben langen Tag zusammenschustert.

Aber – und das ist wichtig – diese Angst sagt mehr über die Person, die sie hat, als über die Situation selbst.

Es gibt zwei Arten von Abhängigkeit

Das eine ist die gesunde und positive Abhängigkeit.

Die kennst du. Die hast du vielleicht selbst gelebt, als dein Kind klein war, oder du selbst warst auch mal ein Kind. Du hast z. B. vorgemacht, wie man mit dem Löffel isst. Dein Kind hat zugeschaut, hat es nachgemacht, hat sich daran orientiert. Das ist Inspiration, das ist Lernen und das ist Begleitung.

Das Kind war nicht abhängig vom Löffel – sondern von dir. Von deiner Anleitung, du bist Vorbild und es ist einfach deine Begleitung.

Niemand würde sagen: „Pass auf, dein Kind wird abhängig von dir, nur weil du ihm zeigst, wie der Löffel funktioniert.“
Weil klar ist: Das Kind lernt gerade. Es orientiert sich an dir. Und irgendwann kann es selbst.

Dann gibt’s die ungesunde, negative Abhängigkeit.

Die entsteht da, wo jemand dir sagt, was du fühlen sollst, wie du leben sollst und welche Entscheidung jetzt „richtig“ ist. Wo dir jemand deine Verantwortung abnimmt, damit du klein bleibst. Damit du ihn brauchst und damit du nicht selbst denkst.

Das ist Kontrolle, das ist Manipulation und das macht unfrei.

Echte Begleitung gehört zur ersten Kategorie. Sie inspiriert, sie bestärkt, sie gibt dir zurück, was du eh schon weißt – aber vielleicht bisher nicht für gültig hältst, weil alles so fremd und ungewohnt ist. Besonders dann, wenn ein Mensch sich ständig falsch fühlt.

Was echte Begleitung tut

Echte Begleitung ist wie das mit dem Löffel.

Ich zeige nicht vor, wie man lebt., ich halte lediglich eine Taschenlampe drauf. Ich bestärke dich in dem, was du eh schon fühlst – aber vielleicht noch nicht ausgesprochen hast, noch nicht für wahr gehalten hast. Obwohl du es so gefühlt hast.

Neulich schickte mir eine junge Frau eine Sprachnachricht. Nennen wir sie Karin.

Karin war genervt. Ihre Mitbewohnerin hatte sie zur inoffiziellen Paketstation erklärt. Die Erwartung war klar: Karin soll die Pakete entgegennehmen. Immer. Damit die Mitbewohnerin nicht zur Paketstation laufen muss.

Klingt erstmal harmlos.

Aber: Diese Erwartung bedeutete, dass Karin keine Serie schauen konnte. Keine Musik hören. Weil sie sich ja leise verhalten musste, damit sie nur ja die Klingel hört. Sie sollte wiederholt verfügbar sein. 

Doch Karin hatte die Schnauze voll. Aber neununddreißig Jahre lang hatte sie gelernt: Stell dich hinten an. Schau zuerst auf die anderen. Halt dich zurück. Sag nichts, was den anderen stört. Sie fühlte sich verantwortlich, wie es jedem geht. Madre mio!

In der Sprachnachricht an mich hat sie alles herausgelassen: „Ich hab’ da keinen Bock mehr. Ich bin doch nicht verantwortlich für ihre Pakete und ganz ehrlich, ich will das nicht mehr.“

Ich hab nur gesagt: „Ja stimmt, und genau das kannst du ihr jetzt sagen.“

Das war’s.

Sie wusste es eh schon, sie hat es gefühlt und sie hatte es ausgesprochen.

Ich hab nur bestätigt: Du darfst das fühlen und du darfst das sagen.

Ein paar Tage später kam die nächste Sprachnachricht von Karin:

„Boah Claudia, wenn man einmal anfängt, was zu sagen, dann will man alles sagen.“

Das ist Begleitung.

Nicht Abhängigkeit. Sondern das Gegenteil.

Weil sie’s selbst erkannt hat, sie hat’s selbst gesagt und sie hat’s selbst gemacht.

Ich war nur da. Habe sie bestärkt, habe gespiegelt und habe gehalten, dass sie sich sieht und immer mehr beginnt, sich selber ernst zu nehmen.

Wer sich begleiten lässt, übt Selbstverantwortung

Und zwar radikal. Zumindest bei mir.

Weil, wenn du dich begleiten lässt, dann machst du ja was. Du gehst rein, du schaust hin, du fühlst, du sprichst aus, du entscheidest und du handelst.

Manchmal ist es unbequem. Manchmal tut es weh. Manchmal möchtest du lieber weglaufen. Oh ja.

Aber du bleibst.
Du bleibst, bis es ist.

Das ist Selbstverantwortung pur. Niemand kann das für dich machen. Keine Mama, kein Partner, kein Coach. Nix.

Ich kann dir keinen einzigen Schritt abnehmen. Ich kann nur bei dir sein, während du ihn gehst, kann dich nur bestärken, was du eh schon weißt. Ich kann nur spiegeln, was du eh schon fühlst.

Begleitung ist simpel: Ich halte eine Lampe drauf. Du gehst den Weg.

Die Angst kommt fast immer von außen

Die Angst vor Abhängigkeit kommt selten von dem Menschen, der sich wirklich begleiten lässt.

Die kommt fast immer vom Außen.

Von jemandem, der Bindung mit Kontrolle verwechselt. Der Nähe mit Verlust gleichsetzt. Der nicht aushalten kann, dass du dich jemandem öffnest. Dass du dich veränderst, auch wenn er/sie es bejaht. Dass du anfängst, Dinge zu sagen, einfach halt anders zu werden.

Und dann wird das schnell was aufs Gegenüber geklebt, weil man es dort besser aushält als in sich selbst.
Projektion nennt man das. Oder ehrlicher: Ich spüre etwas in mir und rede so, als wäre da draußen das Problem.
Es ist schnell zu erkennen. Nicht die Tochter ist auf den Gedanken gekommen oder hat eine solche Angst gefühlt, sondern wer? Genau, die Mutter. Wer hat also so eine Angst? Die Mutter. Nicht weil sie schlecht oder gspinnert ist, sondern, weil sie Abhängigkeit selbst kennt.

Die Mutter, die fragt „Wirst du nicht abhängig?“, fühlt eigentlich etwas ganz anderes: „Ich hab Angst, dich zu verlieren. Ich hab Angst, dass du dich mehr an Claudia orientierst als an mir.“ Ich hab Angst, dass du Dinge mit jemandem teilst, die du mit mir nicht teilst, ich hab Angst, dass du dich veränderst, und ich hab selbst Angst vor Abhängigkeit – und sehe sie deshalb überall.“

Das ist menschlich und das läuft komplett unbewusst ab. Das darf sein und das darf vor allem gefühlt werden.

Aber es ist nicht das Thema des Kindes, der großen Tochter.

Und wenn du gerade merkst: Ich bin die Mutter oder so ein Partner

Dann lies weiter. Weil das hier auch für dich ist.

Deine Angst zeigt, dass dir die Verbindung wichtig ist, allerdings auch, dass du nicht akzeptieren willst, was dein Kind oder Partner entscheidet. Aber auch, dass du dein Kind oder deinen Partner liebst und beschützen möchtest.

Das ist schön und sehr wertvoll.

Aber: Annehmen, was gerade geschieht auf dem Weg deines Gegenübers, heißt nicht, ihn oder sie zu verlieren.

Es heißt, dein Kind oder deinen Partner in seine Kraft gehen zu lassen.

Und weißt du, was das Verrückte ist? Genau das hast du früher auch gemacht. Als du ihm gezeigt hast, wie man mit dem Löffel isst. Wie man die Schuhe bindet, schwimmt oder mit dem Fahrrad fährt.

Du warst die, die begleitet hat. Die inspiriert hat. Die bestärkt hat und die vorgemacht hat.

Dein Kind hat sich an dir orientiert. Hat von dir gelernt, war – in diesem gesunden Sinn – abhängig von dir.

Und jetzt macht das jemand anderes – auf einer anderen Ebene. Das heißt nicht, dass du unwichtig bist. Es heißt, dass dein Kind/Partner wächst und dass es Menschen braucht, die es auf diesem Weg begleiten. Die es bestärken in dem, was es eh schon weiß, und die spiegeln, was es eh schon fühlt.

Genau wie du das früher auch gemacht hast.

Und wenn du Angst hast – dann gehört diese Angst dir. Nicht deinem Kind/Partner. Du darfst sie fühlen. Du darfst sie haben. Aber du musst sie nicht auf dein Kind/Partner projizieren.

Alleine machen ist nicht immer Stärke

Viele glauben ja, dass „alleine machen“ ein Zeichen von Stärke ist.

Stimmt nicht, und ich weiß es, weil ich das auch viele Jahre geglaubt habe.

Alleine machen kann manchmal auch einfach nur Angst sein, in Verbindung zu gehen. Weil Verbindung ehrlich ist – Verbindung ist fühlbar – Verbindung zeigt dir deine Themen ohne Filter und vor allem bedeutet es Nähe. Und vor der hatte ich unglaublich Angst, weil sie für mich früher Gefahr bedeutet hat.

In echter Verbindung kannst du nicht mehr so gut weglaufen. Da siehst du dich. Durch die Augen eines anderen, der nicht bewertet, aber trotzdem sieht. Der bestärkt, der spiegelt und der hält.

Das macht  vielen Menschen Angst.

Deshalb sagen manche lieber: „Ich schaff das alleine“, was oft heißt: „Ich hab Angst vor dem, was sichtbar wird, wenn ich mich wirklich zeige.“

Wovon wirst du wirklich abhängig?

Du wirst nicht abhängig von jemandem, der dich in dem bestärkt, was du eh schon weißt.

Abhängig wirst du von Menschen, die dir deine Entscheidungen abnehmen, deine Gefühle oder deinen Mut. Die dir sagen, was richtig oder falsch ist. Die dir das Denken ersparen wollen. Die dich kleinhalten, weil sie dir genauso wenig zutrauen wie sich selbst, oder damit sie sich groß fühlen können.

Abhängig wirst du von Menschen, die dich brauchen, um ihre eigene Leere zu füllen.

Nicht von jemandem, der sagt: „Ja stimmt, genau das kannst du jetzt sagen.“

Nicht von jemandem, der nur spiegelt, was du eh schon fühlst und nicht von jemandem, der dir dich selbst zurückgibt.

Also, falls dir mal jemand sagt: „Pass auf, sonst wirst du abhängig.“

Dann frag einfach zurück: „Von wem redest du gerade wirklich – von mir oder von dir?“

Weil oft hat der andere die Angst. Nicht du.

Die Angst, dass du dich veränderst – dass du wächst – dass du klarer wirst – dass du anfängst, Dinge zu sagen, dass du Grenzen setzt, die vorher nicht vorhanden waren, und du dich nicht mehr hinten anstellst.

Das macht Systemen Angst, Familien, Beziehungen und Freundschaften. Weil, wenn du dich veränderst, sich auch das System verändern kann. Und das will nicht jeder.

Und ganz ehrlich: Manche können das auch nicht. Weil sie selbst neununddreißig, fünfzig, sechzig Jahre gelernt haben, sich hintenanzustellen. Und wenn du jetzt anfängst, das nicht mehr zu tun – dann spiegelt das ihre eigene Unterordnung. Das tut weh, ist hauptsächlich unangenehm, und da sind wir wieder: Es will nicht gefühlt werden.

Also wird es auf dich projiziert.

Und jetzt mal Tacheles

Wenn du nach einer Begleitung mehr fühlst, klarer siehst und eigene Entscheidungen triffst, dann bist du freier als vorher und definitiv nicht abhängiger.

Wenn du spürst, was du brauchst, statt zu funktionieren – freier. Wenn du weißt, was deine Wahrheit ist, statt blind zu übernehmen – freier. Wenn du merkst, wo du Ja sagst und wo Nein – freier. Wenn du anfängst, Dinge zu sagen – freier. Wenn du dich nicht mehr hinten anstellst – freier.

Das ist der ganze Zauber.

Begleitung macht dich nicht klein. Sie macht dich nicht hilflos. Sie macht dich nicht süchtig nach mehr Begleitung. Sie bestärkt dich in dem, was du eh schon weißt. Sie spiegelt, was du eh schon fühlst. Sie zeigt dir, wer du bist, wenn niemand mehr redet.

Und das macht manche nervös – und wie. Weil du dann vielleicht nicht mehr so leicht zu kontrollieren bist. Dir nicht mehr alles gefallen lässt und deine Grenzen selbst lebst. Nicht mehr so leicht zu beeinflussen und  kleinzuhalten bist. Bingo und Jackpot.

Was echte Begleitung wirklich tut

Echte Begleitung gibt dich dir selbst zurück. Sie macht dich mündig, selbstwirksam, fühlend, sprechend und entscheidungsfähig.

Sie ist das Gegenteil von Abhängigkeit.

Und wenn jemand Angst davor hat, dass du dich begleiten lässt, dann hat diese Person meistens Angst davor, dass du genau das wirst: selbstbestimmt.

Weil das bedeutet, dass du vielleicht nicht mehr das tust, was sie von dir erwartet. Dass du anfängst, Dinge zu sagen. Dass du dich nicht mehr hinten anstellst.

Und das darf sein. Du darfst das aushalten. Und die anderen dürfen ihre Angst haben. Das ist nicht dein Job, das zu lösen. Dein Job ist, deinen Weg zu gehen.

Auch wenn andere Angst haben. Gerade dann.

Weil: Wenn man einmal anfängt, etwas zu sagen, dann will man alles sagen. Frag Karin.

Und das ist Freiheit.

Falls du dich jetzt auch begleiten lassen willst, siehst du unten meine Räume. Ich halte dir gerne die Taschenlampe auf deinen Weg, doch denke daran, gehen musst du.

Ein Teil meiner Angebote

Du bist nicht hier um fertig zu werden

Du bist nicht hier um fertig zu werden

Du bist nicht hier, um fertig zu werden

Lernen ist unsere Natur

Du bist nicht hier, um fertig zu werden. Du bist hier, um zu lernen. Wir haben irgendwo und irgendwann gelernt, dass es ein Ziel geben muss. Einen Punkt, an dem alles erledigt ist, geheilt, verarbeitet, abgehakt, abgeschlossen und was weiß ich nicht alles. Zackbumm – erledigt und wir können wieder ins gewohnte Rädchen reinspringen. Und ganz ehrlich, dieser Wunsch ist verständlich, ich kenne den auch. Aber er geht komplett an unserer Natur vorbei. Ich wiederhole es für den Verstand, der das nicht versteht, weil er was anderes intus hat. Es geht an unserer Natur vorbei, und deswegen machen wir uns oft noch mehr Stress, als im Grunde nötig wäre.

Heilen ist kein Zustand

Wir Menschen sind kein Projekt mit einem Abschlussdatum, denn Heilen ist kein Zustand. Wachsen übrigens auch nicht und Entwicklung sowieso nicht. All das ist Lernen. Und Lernen hört nicht auf, nur weil wir müde und erschöpft sind oder keine Lust mehr haben. Wir lernen durch Erfahrungen, durch Beziehungen, durch Krisen, durch Trennungen, durch Stille, durch Fehler. Alles prägt sich ein. Immer und immer wieder.

Das Entscheidende ist nicht, dass wir geprägt werden. Sondern dass wir die Fähigkeit haben, Neues zu lernen und damit alte Prägungen zu verändern. Nicht auf Knopfdruck, sondern Schritt für Schritt, jeder in seinem Tempo.

Ich kenne das selbst. Mitte 2011 bis Ende 2014 – eine tiefe Krise. Meine Güte, was habe ich am Anfang und zwischendrin immer wieder gejammert und verzweifelt gefragt: Mein Gott, wann hört das endlich auf? Wann hört das endlich auf? Was muss ich tun, damit es endlich aufhört? Und selbst als alles final durch war, als jeglicher offensichtlicher Stress vorbei war – hab’ ich Jahre gebraucht. Jahre, um gewisse Traumatisierungen überhaupt zu erkennen, die sich in diesen vier Jahren neu gebildet hatten. Neue Ängste, die ich vorher nicht kannte. Und mache Dinge tauchen auch heute noch in  kleinen Spuren auf. Und nein, das ist keine Schande, ich habe auch nichts übersehen, das ist kein Scheitern. Das ist Realität, und wer anderes behauptet, schwindelt einfach.

Prozesse sind keine Reparaturaufträge

Ein Heilungsprozess ist kein Reparaturauftrag, ein Trennungsprozess ist kein Scheitern, ein Wachstumsprozess ist kein Beweis dafür, dass vorher etwas falsch war. Es sind Lernfelder. Einfach lebendige, bewegliche Lernfelder. Und ja, diese Prozesse benötigen Zeit, einen Raum und vor allem Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.

Unterwegs sein heißt nicht, sich treiben zu lassen. Es heißt, wach zu bleiben. Hinzuschauen. Zu spüren, was sich zeigt … und damit zu „arbeiten“, wenn es dran ist.

Wenn sich Erschöpfung als Sehnsucht tarnt

Wenn wir uns ständig wünschen, endlich fertig zu sein, dann geht es oft gar nicht um Heilung. Dann geht es um Erschöpfung, oder um das Bedürfnis nach einer Pause. Vor allem wollen wir nicht wahrhaben, was da jetzt alles los ist, und am allerwenigsten fühlen. Und deswegen lechzt keiner nach dem nächsten Erkenntnis-Marathon und auch nicht nach dem nächsten Tool. Sondern nach Innehalten, nach Nicht-müssen, nach Durchatmen.

Vielleicht fängt es damit an, dass wir aufhören zu fragen: „Wann bin ich endlich durch?“ – und stattdessen fragen: „Was brauche ich gerade?“ Nicht als nächste Leistung, sondern als Zuwendung.

Pausen sind kein Rückschritt. Sie sind Teil des Lernens, ohne Pause kein Verarbeiten und ohne Raum kein echtes Verstehen.

Die wirkliche Einladung

Vielleicht ist das die wirkliche Einladung. Nicht schneller zu werden und nicht besser zu funktionieren … sondern freundlicher mit dem eigenen Prozess umzugehen. Du musst nirgendwo ankommen und du darfst unterwegs sein. Neugierig bleiben, offen und vor allem menschlich. Das reicht. Mehr braucht es nicht – auch wenn die Systeme um dich herum dir etwas anderes einreden wollen.

Ein Teil meiner Angebote

Vielleicht füttern wir das Falsche

Vielleicht füttern wir das Falsche

Vielleicht füttern wir das Falsche …

… und merken es nicht einmal.

Ich bin komplett davon überzeugt, dass der Großteil von uns hypnotisiert rumläuft.

Wir posten unser Leben, unsere Arbeit, unsere Gedanken, unsere Erkenntnisse, sogar unsere intimsten Prozesse. Auf Instagram, Facebook, TikTok und LinkedIn usw. Ganz selbstverständlich. Als wäre das normal. Weil man es uns so gesagt hat und du es überall hörst und siehst.

Und dann stehen wir da, erschöpft, und fragen uns: Warum fühlt sich das so leer an?

Die Plattformen werden reich. Wir bekommen Herzchen. Manchmal nicht mal das.

Aber das ist nicht mal das Schlimmste. Das Schlimmste ist: Wir merken oft gar nicht, dass wir uns dabei selbst weggeben. Stück für Stück. Post für Post.

Und noch viel schlimmer: Wir verstehen nicht mal, wer hier eigentlich wen füttert.

Das Geschäft, von dem wir nichts haben

Lass uns mal zusammen ganz konkret werden. Denn diese Mechanik durchschaut kaum jemand wirklich.

Du postest deine Inhalte auf Instagram. Mark Zuckerberg verdient. Die Werbetreibenden verdienen. Die Plattform wächst.

Und du? Du bekommst vielleicht ein paar Likes. Wenn’s gut läuft.

Du zeigst dein Buch, deinen Kurs auf TikTok? Schön. Aber wenn du nicht über einen TikTok-Shop verkaufst – wo TikTok an DEINEM Produkt mitverdient –, werden deine Videos nicht so ausgespielt. Kein Witz. Das ist das Spiel. Unzählige wandern weg von dieser Plattform zur nächsten, wo diese dann verdient – mit dir.

Du buchst eine Marketingagentur, die dir sagt: „Du musst täglich 25 Mal posten, du musst Reels machen, du musst präsent sein!“

Die Agentur verdient an deinem Stress. Die Plattform verdient an deinem Content. Die Werbetreibenden verdienen an deiner Reichweite.

Und du? Du bist erschöpft, hast auch nicht wirklich immer Lust, und was kommt am Ende wirklich raus?
Das ist Content-Scheißerei. Weil du ständig fütterst und dich dabei selbst schrumpfst. Glaubst du nicht? Lese mal weiter.

Es wird noch grotesker

Die Homöopathin postet: „Dein Kind erbricht ständig auf Reisen? Nimm Cocculus D12.“Die Mutter liest mit, gibt’s dem Kind. Problem gelöst. Warum sollte sie dann noch in die Praxis kommen?

Der Beziehungscoach erklärt in zehn Instagram-Posts, wie man Konflikte löst.Die Leute lesen mit, nicken, verstehen. Warum sollten sie dann noch buchen?

Der Yogalehrer postet die komplette Morgenroutine mit allen Übungen. Die Follower machen mit. Kostenlos. Jeden Tag.

Warum sollten sie dann noch zum Kurs kommen?
Und falls du dich traust, einen Kurs anzubieten, der etwas kostet, beschweren sich die Anhänger, was das soll, sie sind schließlich auf dieser Plattform, wo andere alles umsonst anbieten.

Wir verschenken alles. Vorab. Gratis. Auf dem Silbertablett des Internets.
Und wundern uns dann, dass niemand mehr kommt. Wir schaffen uns selbst ab. Während wir gleichzeitig andere reich machen.

Das System lebt von uns

Ohne uns wäre Facebook ein Friedhof. Instagram, ein leerer Marktplatz. TikTok ein Geisterschiff und LinkedIN ein alter Schuh, wie das sterbende Xing. WIR sind der Content. WIR sind das Produkt. WIR sind die Ware.
Die Plattformen werden fett. Wir werden frustriert und laugen aus.
Und das Perfideste? Wir denken, wir hätten keine Wahl.

„Wenn ich nicht poste, bin ich unsichtbar.“
„Wenn ich nicht mitspiele, bin ich raus.“
„Wenn ich nicht ständig liefere, vergessen mich die Leute.“
Aber mal ehrlich: Wer hat dir das eingeredet? Der Algorithmus? Die Marketingexperten? Die Angst in dir selbst?

Die Frage, die keiner stellt

Warum machen wir das?
Ich meine wirklich: Warum?

Wieso füttern wir Systeme, die von uns leben, während wir selbst verhungern?
Wieso rennen wir einem Algorithmus hinterher, der sich einen Dreck für uns interessiert?
Wieso messen wir unseren Wert an Zahlen, die morgen schon wieder irrelevant sind?

Vielleicht, weil es alle so machen.
Vielleicht, weil wir Angst haben, ohne Sichtbarkeit nicht zu existieren.
Vielleicht, weil wir vergessen haben, dass echte Verbindung nicht durch Reichweite entsteht.

Aber schau mal genau hin: Was passiert in dir, bevor du postest?

Ist da Freude? Oder ist da diese kleine, nervöse Erwartung – wird das ankommen, werden sie reagieren, bin ich relevant, kaufen sie endlich?

Ist da ein Geben aus Fülle? Oder ist da ein Hoffen auf Bestätigung? Ist da Klarheit? Oder ist da die Angst, übersehen zu werden?

Die Wahrheit über Sichtbarkeit

Diese Sichtbarkeit da draußen ist oft nur ein billiger Scheinwerfer. Wärme kommt da keine. Echte Verbindung entsteht nicht durch tausend Follower, die vorbeiscrollen. Sie entsteht, wenn jemand wirklich innehält. Wenn jemand spürt: Hier ist jemand, der mich sieht, mich versteht.

Und das kannst du nicht erzwingen. Nicht durch mehr Posts. Nicht durch bessere Reichweite. Nicht durch perfektes Marketing. Das entsteht, wenn du aufhörst, dich zu verkaufen und anfängst, dich zu zeigen.

Was wir dabei verlieren

Während wir da draußen füttern, verhungert etwas in uns.

Die Ruhe, einfach mal nichts zu teilen.
Die Tiefe, die nur im Stillen wächst.
Die Klarheit, die entsteht, wenn wir nicht ständig performen müssen.
Die Kraft, die da ist, wenn wir uns nicht permanent erklären müssen.
Der Wert unserer Arbeit, weil wir sie verschenken, bevor sie überhaupt etwas wert sein kann.

Und offen gesagt: Wenn du alles gratis rausballerst, warum sollte jemand dann noch für dich bezahlen? Die Leute haben ja schon alles. Kostenlos. Jederzeit verfügbar. Du hast sie sattgemacht, bevor sie überhaupt hungrig werden konnten.

Die Einladung

Hol dir deine Energie zurück. Hol dir deinen Wert zurück.
Einfach aus Selbstachtung.
Du musst nicht lauter werden. Du musst klarer werden.

Weniger Show, mehr Substanz.
Weniger Plattformen, mehr echte Verbindung.
Weniger Selbstverschenken, mehr Selbstbegegnung.
Weniger Füttern, mehr Bei-dir-Bleiben.

Die Welt braucht dich nicht im Dauerausverkauf.
Sie braucht dich authentisch. Klar. Unverbeugbar und ohne Prostitution.

Die Frage, die bleibt

Wem dienst du wirklich, wenn du postest?

Dem Algorithmus?
Der Angst, übersehen zu werden?
Den Plattformen, die an dir verdienen?
Der Marketingagentur, die dir sagt, du müssest mehr tun?

Oder dem, was in dir lebendig werden will? Nur du kannst das beantworten. Aber ich verspreche dir: Die Antwort verändert alles.

Ein Teil meiner Angebote

Die neuen Rattenfänger von Hameln

Die neuen Rattenfänger von Hameln

Die neuen Rattenfänger von Hameln

… und warum wir ihnen freiwillig folgen

Früher spielten sie Flöte. Heute spielen sie Algorithmen.

Und wir laufen. Freiwillig. Mit Herzchen und Daumen nach oben in den Augen, Klickzahlen im Kopf – und der Hoffnung, dass das nächste Reel, der nächste Post endlich das ist, das uns sichtbar macht.

Glaube mir … vertraue mir … Die Melodie der falschen Versprechen

Ja, es gibt sie immer noch, die Rattenfänger von Hameln. Nur dass sie heute keine Melodie mehr auf ihrer Flöte pfeifen, sondern mit Versprechen locken. „Werde Millionär über Nacht.“ „Heile dein Trauma in drei Tagen.“ „Manifestiere dein Traumleben mit Pool und Prada … sofort.“

Und während sie flöten, tanzen wir. Klicken, liken, buchen, teilen, hoffen.

Ich nehm mich da nicht raus. Wenn ich einen Text poste, schaue ich auch: Wie viele haben ihn gelesen? Wie viele haben reagiert? Ich schaue nicht ständig – aber ich schaue. Und ich weiß, dass ich damit schon mitten drin bin im Spiel. Dieses leise Ziehen im Bauch, wenn etwas gut läuft. Diese kleine Enttäuschung, wenn’s verpufft. Wir alle, die online präsent sind, kennen das.

Das System ist raffiniert. Es spricht die Stelle in uns an, die gesehen werden will. Es verspricht Zugehörigkeit, Wert, Bestätigung. Aber es verkauft Abhängigkeit durch ganz häufige Manipulation.

Und das ist keine neue Magie. Es ist alte Verkaufspsychologie – verpackt in hübsche Farben, gute Beleuchtung, schöne Bilder und einen Call-to-Action.

Wenn aus Herzensworten auf einmal Schlagzeilen werden

Ich beobachte das seit Jahren. Wie Menschen, die früher authentisch waren, plötzlich glatt werden. Marketingsprache sprechen. Wie aus Inhalt Strategie wird. Wie aus Begegnung auch nur Marketing wird. Und wie aus Herzensworten Schlagzeilen werden.

Je mehr Follower, desto weniger Seele. Je höher die Reichweite, desto flacher der Ton. Weil es ja jetzt gehalten werden muss, darf es natürlich nicht abflachen.

Manchmal scrolle ich durch Instagram und denke: Wer redet hier eigentlich noch mit wem? Da posten Coaches über Authentizität, aber die Sätze klingen wie aus einem Werbebaukasten. „Bleib bei dir“, sagen sie … während sie dich gleichzeitig in den nächsten Funnel ziehen. Mit NLP-Tricks, psychologischen Triggern, künstlich erzeugtem Mangelgefühl.

Das ist keine Einladung mehr. Das ist Dressur. Hopp, mein Pony, hopp … ja, genau, schön im Kreis und zurück … 

Die Verschmutzung des Bewusstseinsfeldes

Und ja … ich bin wütend darüber. Weil das ganze Bewusstseinsfeld, das mal ehrlich war, damit verschmutzt wird. Weil Menschen, die wirklich suchen, in diese Maschinerie geraten und dann denken, sie seien schuld, wenn’s nicht funktioniert. Dabei ist es das System, das sie ausblutet.

Es ist eine perfide Form der Ausbeutung: Da wird die Sehnsucht nach Heilung zur Verkaufsstrategie umfunktioniert. Der Schmerz wird getriggert, um dann die schnelle Lösung zu verkaufen. Und wer nicht „erfolgreich“ ist, hat halt nicht genug manifestiert, nicht richtig geglaubt, nicht tief genug an sich gearbeitet.

Die Schuld wird individualisiert. Das System und der ganze Scheiß bleiben unangetastet.

Wenn das Like zur Lüge und Illusion wird

Aber es geht noch tiefer. Diese Maschinerie verkauft nicht nur falsche Heilsversprechen, sie verkauft eine komplett verzerrte Wahrnehmung davon, wer wir sind.

Menschen bauen sich da draußen ein Spiegelbild zusammen aus Likes, Kommentaren, Klicks. Sie singen in die Kamera, sie posen, sie performen – und bekommen dafür Bestätigung. Zahlen. Herzchen. Das Gefühl: Ich bin wichtig. Ich werde gesehen. Ich bin wertvoll.

Und dann sitzen sie in einer echten Runde mit realen Menschen und merken: Hier zählt das alles nicht. Tja, und dann geht die Welt unter.

Ich kenne eine junge Frau, die auf Instagram viele Follower hat. Vor allem Männer. Sie ist gewohnt, dass jedes Bild, jedes Video sofort Reaktionen bekommt. Sie ist jemand, der wahrgenommen wird. Dachte sie.

Bis sie neulich in einer Runde saß, für ein paar Minuten rausging – und als sie wiederkam, sagte: „So, ich bin wieder da.“ Einer der Männer am Tisch hat nur geantwortet: „Ist gar nicht aufgefallen, dass du weg warst.“

Sie war sichtlich geschockt und fing zu weinen an. Richtig geweint. Weil sie nicht vermisst worden ist. Weil sie in diesem Moment gespürt hat: Online bin ich jemand. Hier bin ich – niemand. Ich war so perplex und zuerst dachte ich wirklich, sie nimmt uns auf den Arm. Bis die Sturzbäche geflossen sind.

Und das ist die eigentliche Katastrophe. Nicht die Tränen. Sondern dass eine ganze Generation von Menschen ihre Identität, ihren Wert, ihre Existenz an Zahlen misst, die nichts mit ihnen zu tun haben. Sie sind nicht mehr verwurzelt in sich selbst, sondern in einer Illusion von Bedeutsamkeit, die jederzeit kollabieren kann.

Das ist nicht mehr nur Marketing. Das ist für mich absoluter Realitätsverlust.

Diese Plattformen erschaffen ein Paralleluniversum, in dem jeder Protagonist in seiner eigenen Geschichte ist … mit Publikum, Applaus, Aufmerksamkeit. Aber draußen, wo keine Kamera läuft, wo niemand scrollt, wo kein Algorithmus entscheidet, wer gesehen wird – da sind wir wieder nur Menschen. Verletzlich. Unsichtbar. Normal einfach.

Und viele halten das nicht mehr aus.

Meine Reißleine

Ich hab vor 14 Tagen die Reißleine gezogen. Radikal. Wieder einmal hatte ich mich durch einen günstigen Preis hinreißen lassen, mich anzumelden, um ein Produkt von mir mehr an Mann oder Frau zu bringen. Ganz ehrlich, ich war nach dem ersten Tag schon draußen, mich hat das Ganze so abgestoßen. Mein zweiter Akt war: Ich habe mich von allen Marketing-Newslettern abgemeldet – jedem einzelnen. Auch denen, bei denen ich mal dachte, da lerne ich vielleicht noch was. Weil ich gemerkt hab’: Ich will das nicht mehr in meinem Feld. Ich will niemanden manipulieren und selbst auch nicht so behandelt werden. Dieses ständige „Wie optimierst du deinen Funnel“, „Wie erhöhst du deine Conversion“, „Wie machst du aus Menschen Kunden“.

Ich mach diesen Scheiß nicht mehr mit.

Ich will keine Kunden, ich will Begegnung. Keine Klicks, sondern Wirkung. Und ich will Texte schreiben, die nicht performen müssen … sondern spürbar sind.

Ja, das ist unbequem. Aber offen gesagt: Ich atme so tief durch, ohne diesen Druck, gefallen zu müssen. Ohne ständig zu überlegen, welcher Satz gut zieht.

Wie soll ein Mensch denn spüren, dass will ich gerne machen, wenn er nur an seiner Angstleine gezogen wird?

Der Moment des Aufwachens

Ich glaube, genau da beginnt Bewusstsein: wenn du merkst, dass du hypnotisiert wurdest – und einfach aufhörst zu tanzen.

Es ist dieser stille Moment, in dem du innehältst und fragst: Wessen Melodie folge ich hier eigentlich? Wessen Tempo? Wessen Werte?
Oder dich ganz pragmatisch fragst: „Was mache ich hier eigentlich?“

Und dann kommt die Entscheidung. Nicht die große, dramatische … sondern die kleine, konsequente: Ich höre auf, mitzumachen. Ich ziehe mich zurück aus der Optimierungsschleife. Ich definiere neu, was Erfolg für mich bedeutet.

Vielleicht heißt Erfolg nicht mehr Reichweite, sondern Resonanz. Nicht mehr Wachstum, sondern Tiefe. Nicht mehr Sichtbarkeit um jeden Preis, sondern Integrität in jedem Wort.

Der Moment des Aufwachens

Vielleicht ist das die einzige Art, in dieser lauten Welt wieder frei zu hören. Nicht die Flöte der anderen. Sondern deinen eigenen Ton, deine eigene Melodie. Dauert dann halt etwas länger, doch die Menschen kommen freiwillig und gerne.

Ja, dieser Weg ist nicht perfekt. Nicht wirklich optimiert und vor allem nicht algorithmusfreundlich.

Allerdings mega sympathisch, authentisch und frei.

Und das reicht … für mich. Und bei dir? Kommt da ein: Ja, aber …?

Wenn Bewusstseinsarbeit auf Unbewusstheit trifft

Wenn Bewusstseinsarbeit auf Unbewusstheit trifft

Wenn Bewusstseinsarbeit auf Unbewusstheit trifft

Warum manche Menschen Veränderung buchen, aber nur Bestätigung wollen

Es gibt Momente in der Bewusstseinsbegleitung, die einen sprachlos machen. Nicht wegen ihrer Tiefe (natürlich auch) oder Schönheit, sondern wegen ihrer absurden Klarheit darüber, wie unbewusst Menschen an Bewusstseinsarbeit herangehen können.

Die Huldigungs-Falle

Kürzlich erlebte ich etwas, das mich nachdenklich stimmte: Eine Klientin buchte mein sechsmonatiges Metamorphosis-Programm. Drei Monate lang überschüttete sie mich mit Lobeshymnen, die an Götzenanbetung grenzten. Tausende von WhatsApp-Nachrichten über meine „unglaubliche Arbeit“, wie „toll“, „super“ ich sei.

Klingt erstmal schön? War es nicht. Denn echte Bewusstseinsarbeit funktioniert nicht über Anbetung, sondern über Selbstverantwortung. Diese überschwänglichen Reaktionen waren nicht Ausdruck von Dankbarkeit, sondern ein Muster – ein Programm, das darauf ausgelegt ist, durch Schmeicheleien Kontrolle auszuüben.

Der Moment der Wahrheit

Der Wendepunkt kam, als ich ihr Grenzen aufzeigte. Plötzlich war Schluss mit der Heldenverehrung. Ratzfatz war ich vom Thron heruntergezogen. Alle gebuchten Termine wurden abgesagt, Verlängerungen nicht bezahlt, Aufstellungen gestrichen, ebenfalls nicht bezahlt. Was war passiert? Ich hatte einefach meine Aufgabe gemacht, – echte Bewusstseinsarbeit bis zur letzten Minute geleistet.

Hier zeigt sich ein faszinierendes Paradox: Menschen buchen Bewusstseinsveränderung, aber wenn echte Veränderung ansteht – wenn ihre Muster sichtbar werden, wenn Grenzen aufgezeigt werden –, dann wird der Rückzug angetreten. Ja, weil es halt unbequem ist und man sich eben nicht erkennen will, was man da so veranstaltet – der ScheinHeiligenSchein von einem selbst will auf dem Kopf gehalten werden.

Die Volkskrankheit der Verantwortungslosigkeit

Diese Frau hat bewusst Metamorphosis gebucht, meine Ausschreibung gelesen und sogar mein Buch über Erwachen und Bewusstsein mehrmals durchgearbeitet. Sie wollte eine Verlängerung, buchte zusätzliche Termine für sich und eine Freundin. Übrigens, berichte ich selbst in meinem Buch, wie schmerzhaft es für mich war, meine Muster zu erkennen. So ist nun mal der Weg.

Aber als die Arbeit unbequem wurde, als sie mit ihren eigenen Mustern konfrontiert wurde, wurde plötzlich alles rückgängig gemacht – natürlich ohne die vereinbarten Zahlungen zu leisten. Und dann kam die Krönung: die Forderung nach Geld zurück.

Mich hat natürlich interessiert, wie es das Geistige sieht, was sich hier alles abspielte. Da wurden ganz klare Worte u. a. dazu gesprochen: Was hier folgt, ist leider symptomatisch für Eure Zeit: die Weigerung, zu den eigenen Entscheidungen zu stehen. Ganz klar ist es: Echte natürliche, innere Verantwortung würde bedeuten: Ich habe gebucht, ich habe abgebrochen, ich trage die Konsequenzen. Was sich in solchen Situationen bei Euch zeigt, weil Ihr so konditioniert seid, ist die Verschiebung:
Du bist schuld, dass ich mich schlecht fühle (anstatt: Ich erkenne mein Muster und das ist gerade richtig ätzend). Doch Ihr wollt die Dinge nicht wahrhaben, Euer Scheinbild gefällt Euch so gut, habt Ihr es doch mühselig zu Zeiten des „Überlebenmüssens“ aufgebaut.

Was wirkliche Bewusstseinsarbeit bedeutet

Bewusstseinsarbeit ist kein Wohlfühl-Programm. Es ist nicht dazu da, dich in deinen Mustern zu bestätigen oder dir zu sagen, wie großartig du bist. Echte Bewusstseinsarbeit hält dir einen Spiegel vor – und manchmal gefällt dir nicht, was du siehst. Ich warne immer wieder meine Teilnehmer, dass das kommen wird, dass man auch mich blöd finden wird und noch mehr.

Wenn jemand Bewusstseinsbegleitung bucht, aber eigentlich nur Bestätigung sucht und in seinen Mustern bleiben will, wird es problematisch. Denn dann geht es nicht um Wachstum, sondern um die Aufrechterhaltung des Status quo in einer pseudospirituellen Verpackung. Bewusstseinsbegleitung bringt mit der Zeit, ich betone mit der Zeit, dass du immer mehr mit einem Abstand auf deine Muster schauen kannst. Das ist der Moment, wo meine Teilnehmer beginnen, über sich selbst lachen (ich lache natürlich mit) zu können, über das, was sie alles veranstaltet haben. Aber immer kommt zuerst das schmerzhafte Leukoplast, das von den Augen weggezogen wird, und das ist absolut unangenehm.

Warum?

Ganz einfach, weil genau das wirkliche Spiritualität ist und nicht dein Rosenquarz an deiner Kette um den Hals.

Die Grenze als Geschenk

Grenzen aufzuzeigen ist keine Härte, sondern ein Geschenk. Es ist der Punkt, an dem echte Arbeit beginnen kann. Yes, da geht es raus aus der Komfortzone, wo alles schön, angenehm und kuschelig ist. Vorbei die dauergelebte Scheinharmonie. Wer bei den ersten Grenzen das Weite sucht, hat vermutlich nie verstanden, worum es wirklich geht.

Das ist auch okay – nicht jeder ist bereit für echte Veränderung. Aber dann sollte man ehrlich genug sein, das zuzugeben, anstatt den Begleiter dafür verantwortlich zu machen, dass die Arbeit ihre Wirkung entfaltet.

Die Einladung zur Ehrlichkeit

Wenn du Bewusstseinsarbeit suchst, frag dich ehrlich: Willst du wirklich Veränderung oder suchst du nur jemanden, der deine bestehenden Überzeugungen bestätigt? Bist du bereit, Verantwortung für deine Entscheidungen zu übernehmen – auch wenn sie unbequem werden?

Echte Bewusstseinsarbeit beginnt mit dieser Ehrlichkeit. Alles andere ist nur Wellness mit spirituellem Anstrich.

Zum Schluss

Menschen, die Bewusstseinsarbeit buchen und dann bei den ersten Herausforderungen das Weite suchen, zeigen damit sehr klar: Sie haben nicht verstanden, was Bewusstsein wirklich bedeutet. Null. Sie wissen nicht, was es wirklich bedeutet. Bewusstsein ist nicht bequem, nicht immer schön und definitiv nicht dazu da, unser Ego zu streicheln. Drum machen dich meine Blogbeiträge nicht wirklich bewusster.

Aber für die, die bereit sind, diesen Weg zu gehen – ihre Muster zu erkennen, für die ist echte Transformation möglich. Allerdings nur, indem man sich den Dingen stellt.

Über die Autorin: Ich begleite Menschen dabei, wieder zu ihrer inneren Wahrheit zu finden. Mein Ansatz verbindet spirituelle Weisheit mit Klarheit – für ein Leben, das von innen heraus stimmig ist.

Teile diesen Beitrag: Falls du jemanden kennst, der gerade zwischen Anpassung und Selbsttreue ringt. Manchmal ist es der Mut eines anderen, der uns zeigt: Es ist okay, entgegengesetzt zu laufen.

Moral oder Verantwortung?

Moral oder Verantwortung?

Innere Verantwortung statt äußere Moral: Der Weg zu authentischem Leben

 

Wir sind in ein Netz aus Regeln und Verboten hineingeboren – doch was davon ist wirklich unser eigener Kompass, und was nur Erziehung, Angst oder Kontrolle?

Moral – das Wort allein lässt viele zusammenzucken. Es klingt schwer, streng, fast wie ein erhobener Zeigefinger. Moral, wie wir sie kennen, kommt von außen: Eltern, Lehrer, Kirche, Gesellschaft. Sie teilt die Welt in „gut“ und „böse“ ein. Wer nicht folgt, wird bewertet, beschämt oder ausgegrenzt.

Aber ist das wirklich Moral? Oder sind es vielmehr Regeln, die mehr mit Kontrolle als mit Bewusstsein zu tun haben?

Die vergessene innere Moral

Ich bin überzeugt: Jeder Mensch trägt eine eigene, natürliche Moral in sich. Eine innere Verantwortung, die nicht auf Angst oder Strafe basiert, sondern auf Bewusstsein und Verbindung. Wenn ich mich selbst ehrlich spüre, wenn ich in Kontakt mit meiner Wahrheit bin, dann weiß ich, was stimmig ist – und was nicht.

Das Problem liegt darin, dass wir in ein System hineingeboren werden, das unser natürliches Gespür überlagert und oft sogar bekämpft. So verwechseln wir äußere Moral mit innerer Verantwortung – und verlieren den Zugang zu unserer eigenen ethischen Klarheit.

Beispiele aus dem Leben

Wahrheit sprechen
Die äußere Moral sagt: „Sag nichts, wenn es andere verletzt.“ Die innere Verantwortung sagt: „Sprich die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist – aber tu es bewusst, ohne Boshaftigkeit. Denn Schweigen aus Angst macht dich selbst klein und verhindert echte Verbindung.

Beziehungen
Die äußere Moral sagt: „Eine Ehe darf niemals scheitern.“ Die innere Verantwortung sagt: „Bleib ehrlich: Wenn etwas dich oder deinen Partner krank macht, darfst du gehen – auch wenn die Gesellschaft es anders sieht.“ Festhalten aus Pflicht ist weder liebevoll noch verantwortlich.

Sexualität
Die äußere Moral sagt: „Sexualität muss bestimmten Regeln folgen.“ Die innere Verantwortung sagt: „Lebe deine Sexualität so, dass du ehrlich bleibst – zu dir und zu deinem Gegenüber. Ohne Heimlichkeiten, ohne Selbstverrat, aber auch ohne Verletzung.“

Das Paradox der Verbote

Hier zeigt sich ein faszinierendes Paradox: Was verboten wird, wirkt reizvoll. Was streng kontrolliert wird, suchen wir im Geheimen. Und so entfernen wir uns immer weiter von dem, was längst in uns angelegt ist – eine eigene, klare, innere Moral.

Dieses Phänomen erklärt auch, warum so viele Menschen, die sich strikt an äußere Moralsysteme halten, heimlich genau das tun, was sie öffentlich verurteilen. Der innere Konflikt zwischen natürlichem Impuls und äußerem Zwang führt zu Doppelmoral und Selbstverrat.

Zurück zur eigenen Verantwortung

Für mich bedeutet das: Zurückkehren zur Verantwortung für mich selbst. Nicht aus Angst vor Strafe und nicht weil „man das so macht“. Sondern weil ich erkenne, dass jede Entscheidung Wirkung hat – auf mich und auf andere.

Diese Art der Verantwortung ist nicht leichter als äußere Moral – sie ist sogar anspruchsvoller. Denn sie verlangt von mir, dass ich:

  • Ehrlich hinschaue, auch wenn es unbequem ist
  • Die Konsequenzen meiner Handlungen bewusst trage
  • Unterscheide zwischen dem, was ich gelernt habe, und dem, was ich wirklich für richtig halte
  • Den Mut aufbringen, auch gegen Erwartungen zu handeln, wenn es meiner inneren Wahrheit entspricht

Der entscheidende Unterschied

Moral von außen kontrolliert und trennt.
Moral von innen verbindet und befreit.

Äußere Moral arbeitet mit Angst und Scham. Innere Verantwortung arbeitet mit Bewusstsein und Liebe – auch zu sich selbst.

Der Mut zur eigenen Wahrheit

Wahre Verantwortung bedeutet: zu erkennen, was aus meiner Konditionierung kommt – und was meine Natur ist. Und dann den Mut zu haben, danach zu leben.

Das ist kein egoistischer Akt. Im Gegenteil: Wenn ich aus meiner eigenen Wahrheit heraus handle, bin ich authentischer in meinen Beziehungen, klarer in meinen Entscheidungen und letztendlich hilfreicher für andere.

Denn nur wer sich selbst nicht verrät, kann anderen dabei helfen, ihre eigene innere Moral zu finden.

Die Rückkehr zur inneren Verantwortung ist ein Akt der Selbstliebe – und damit der Liebe zur Welt.

Über die Autorin: Als Begleiterin unterstütze ich Menschen dabei, den Unterschied zwischen angelernten Mustern und ihrer eigenen Wahrheit zu erkennen. Mein Fokus liegt auf klarer, heilsamer Bewusstseinsarbeit – ohne esoterische Umwege, dafür mit der Klarheit, die wirklich transformiert. Denn nur in der ehrlichen Begegnung mit uns selbst finden wir zu der Verantwortung, die aus Liebe statt aus Angst handelt.

Teile diesen Beitrag: Wenn dieser Text dich berührt hat, teile ihn gerne mit Menschen, denen er helfen könnte. Manchmal braucht es nur einen Text, ein Gespräch, einen Moment der Erkenntnis, um den ersten Schritt von äußerer Moral zu innerer Verantwortung zu machen.