Du willst Veränderung, aber bitte ohne dich selbst?
Du willst Veränderung, aber bitte ohne dich selbst?
Hoffnung hilft nicht weiter
Es gibt Menschen, die wollen wirklich Veränderung. Sie lesen, hören Podcasts, buchen Kurse, reflektieren, analysieren, schreiben Tagebuch und können dir ziemlich genau erklären, wo ihr Thema liegt.
Und dann passiert trotzdem nichts.
Nicht, weil sie zu wenig verstanden hätten. Oft sogar im Gegenteil. Der Kopf ist längst hervorragend informiert, nur sobald es an die Stelle geht, an der sich im eigenen Verhalten wirklich etwas verändern müsste, wird es plötzlich zäh.
Holla die Waldfee.
Genau da beginnt der spannendste Teil.
Hoffnung, bringt nix
Ich hatte eine Teilnehmerin, die nach einem Treffen mit Freundinnen ziemlich aufgewühlt war. Sie hatte gemerkt, wie sehr sie sich wieder verglichen hatte, wie schnell sie innerlich kleiner wurde und wie stark sie auf das reagierte, was die anderen erzählten.
Das war für sie kein neuer Gedanke. Sie kannte dieses Muster bereits und wusste auch ziemlich genau, woher es kam.
Trotzdem sagte sie sinngemäß: „Ich hoffe einfach, dass es beim nächsten Mal anders ist.“
Und da dachte ich: Genau das ist die Stelle.
Hoffnung kann schön sein, aber sie verändert noch kein Verhalten. Wenn ich immer wieder in dieselbe Situation komme und jedes Mal hoffe, dass ich mich diesmal anders fühle, ohne vorher oder in der Situation etwas anders zu machen, dann überlasse ich Veränderung dem Zufall.
Dann sitze ich beim nächsten Treffen wieder da und hoffe, dass mein altes Muster heute vielleicht frei hat und ins Grüne gefahren ist.
Kann passieren. Darauf würde ich mich nur nicht verlassen.
Viele wollen Veränderung, aber nicht das, was sie kostet
Veränderung klingt erst einmal wunderbar. Mehr Klarheit, mehr Freiheit, weniger Angst, endlich nicht mehr in denselben Geschichten hängen.
Was dabei gern unterschlagen wird: Veränderung kann unangenehm werden – aber so richtig.
Wenn du nicht mehr automatisch Ja sagst, sind andere irritiert. Oder du dich nicht mehr klein machst, passt du plötzlich nicht mehr so gut in ein altes Gefüge. Und wenn du aufhörst, dich ständig zu erklären, bekommt jemand möglicherweise nicht mehr die Sicherheit, die er bisher über dich bekommen hat.
Dann merkst du ziemlich schnell, ob du Veränderung wirklich willst oder vor allem die angenehme Vorstellung davon.
Ich sehe oft, dass Menschen genau an dieser Stelle aussteigen. Sie merken, was dran wäre, und finden dann sehr überzeugende Gründe, warum jetzt gerade doch nicht der richtige Zeitpunkt ist.
Unser Kopf kann das fantastisch.
Vergleich ist ein wunderbares Ausweichmanöver
Gerade beim Vergleich mit anderen passiert etwas Spannendes.
Solange du dich vergleichst, bist du mit den anderen beschäftigt. Wer hat mehr erreicht, wer ist schöner, erfolgreicher, weiter, entspannter oder spirituell angeblich schon drei Stockwerke höher?
Damit musst du dich eine Weile nicht mit der Frage beschäftigen, was du selbst willst.
Das ist ziemlich praktisch.
Wenn du nämlich aufhörst zu vergleichen, bleibt plötzlich dein eigenes Leben übrig. Dann kannst du nicht mehr sagen: „Die anderen sind weiter“, sondern musst dir anschauen, wo du selbst stehst und was du daraus machen möchtest.
Genau, auch das wird unangenehm.
Vergleich hält dich beschäftigt, Eigenverantwortung macht Arbeit und bringt dich in Bewegung.
„Ich mach das alleine“
Das war früher einer meiner Lieblingssätze und den kenne ich sehr gut, weil ich ihn selbst lange gelebt habe.
Ich dachte wirklich, Stärke bedeutet, möglichst wenig Hilfe zu brauchen. Ich schaffe das. Ich bekomme das schon hin. Vor allem, ich brauch’ keinen.
Das kann eine Weile perfekt aussehen.
Irgendwann habe ich allerdings verstanden, dass dieses „Ich mach’ das alleine“ bei mir nicht nur Stärke war, sondern auch eine hervorragende Möglichkeit, niemanden wirklich nah heranzulassen.
Denn wenn ein anderer Mensch genauer hinschaut, kann er Dinge sehen, die du selbst ziemlich elegant umgehst.
Da kommen dann auch die berühmten blinden Flecken ins Spiel. Du kannst dich selbst noch so gut reflektieren, trotzdem gibt es Stellen, an denen du immer wieder aus derselben Perspektive auf deine Geschichte schaust. Du erkennst dann sehr viel, aber eben immer innerhalb deines eigenen Blickwinkels.
Und genau das kann unglaublich viel Zeit kosten.
Du kannst Monate oder Jahre um dasselbe Thema kreisen, weil du immer wieder mit denselben Gedanken darauf schaust. Von außen sieht jemand manchmal innerhalb von Minuten eine Stelle, an der du selbst schon ewig vorbeiläufst.
Das ist lästig und ist trotzdem so hilfreich.
Ich habe das auch bei Menschen erlebt, die selbst andere begleiten. Gerade da kann es besonders verführerisch sein zu glauben, man müsste die eigenen Themen doch bitteschön alleine lösen können. Schließlich weiß man ja, wie es geht.
Nur schützt Wissen nicht davor, sich selbst auszuweichen.
Manchmal ist ein Blick von außen genau das, was fehlt, weil du in deiner eigenen Geschichte längst jeden Baum kennst und trotzdem den Wald nicht mehr siehst.
Oder du stehst direkt vor einem Kastanienbaum und erklärst dir seit zwei Stunden, warum das vermutlich eine Buche ist.
Verstehen ist nicht dasselbe wie leben
Du kannst längst verstanden haben, dass du klarere Grenzen brauchst, dass du dich weniger vergleichen möchtest oder du dich nicht ständig erklären musst, und trotzdem merkst du im Alltag, wie schnell du wieder in die alten Reaktionen rutschst.
Das macht die Erkenntnis nicht wertlos. Es zeigt nur, dass Verstehen und gelebtes Verhalten zwei verschiedene Dinge sind. Der Kopf kann etwas ratzfatz begreifen, während du in einer konkreten Situation erst merkst, wie tief ein altes Muster tatsächlich sitzt.
Eine Teilnehmerin hat mir einmal erzählt, dass sie ein Video dreimal angefangen und wieder abgebrochen hat, weil sie jedes Mal gemerkt hat, dass sie wieder in denselben alten Modus rutschte. Sie wollte sich erklären, fing an, Dinge zu relativieren, und sagte gar nicht mehr das, was sie wirklich sagen wollte.
Beim vierten Versuch hat sie es dann anders gemacht und genau das aufgenommen, was wirklich raus wollte.
Solche Momente interessieren mich viel mehr als die nächste große Erkenntnis, weil sich dort zeigt, ob etwas langsam ins Leben rutscht.
Der Moment, in dem du nicht wieder aussteigst
Veränderung zeigt sich oft an viel unscheinbareren Stellen, als wir denken. Du fällst nicht wieder auf den alten Familienköder rein, obwohl du genau weißt, welcher Satz dich normalerweise sofort auf die Palme bringt. Du lässt eine Nachricht erst einmal liegen, statt reflexartig zu antworten. Oder du merkst, dass du dich gerade wieder beweisen willst, und entscheidest dich, es einfach nicht zu tun.
Von außen sieht das nach fast nichts aus. Für dich kann es trotzdem ein riesiger Unterschied sein, weil du an genau der Stelle nicht wieder automatisch in die alte Spur rutschst.
Natürlich kann danach Unsicherheit kommen. Vielleicht fragst du dich, ob du zu kühl warst, ob du doch noch etwas erklären solltest oder ob du gerade einen Fehler gemacht hast. Gerade dann zeigt sich, wie schnell wir wieder in vertraute Muster zurückwollen, nur weil sie bekannt sind.
Dann kommt gern dieser Satz: „Ich bin noch nicht so weit.“
Manchmal stimmt er. Manchmal braucht etwas tatsächlich noch Zeit, eine Information oder einfach Ruhe. Aber dieser Satz ist auch sehr praktisch, weil er den nächsten Schritt auf später verschiebt, obwohl du längst weißt, worum es geht.
Die Frage wäre dann eher, ob dir wirklich noch etwas fehlt oder ob du nur darauf wartest, dass sich etwas vollständig angenehm anfühlt. Da kann ich dir gleich deine Illusion nehmen. Bei Veränderungen kommt dieses angenehme Gefühl nämlich erst hinterher, wenn du ein paarmal erlebt hast: Aha, ich kann auch anders reagieren und die Welt dreht sich trotzdem weiter.
Ein Teil meiner Angebote
Einzelstunde (90 Minuten) – für klare Impulse, wenn du (noch) keinen Prozess willst, aber spürst, dass etwas in dir bereit ist.
Metamorphosis-Räume – für eine langfristige Begleitung über mehrere Monate.
Meine Bücher: Wenn du erwachst und es erst später bemerkst und Beziehung ist das Gegenteil von dem, was du denkst