Von einem Tag auf den anderen war in meinem Leben Mitte 2011 der Wurm drin. Naja, so ganz stimmt es nicht. Meine Astrologin sprach so einige Hinwsteeplechase-1033335_640eise aus, doch wer glaubt schon daran, dass so Kugeln da oben etwas im eigenen Leben machen. Machen sie auch nicht, sie zeigen viel mehr was gerade ansteht und um was es geht. Und das, was anstand, passte so gar nicht in meinen damaligen Alltag, denn es kündigte Unbequemes, Veränderung und Wahrheiten an, die ich auf keinen Fall akzeptierte. Meine Astrologin nannte die Dinge: Loslassen; Auflösungen; Freunde sind Feinde im Schafspelz und Reinigung.

Heute hinter der Ziellinie habe ich dass Gefühl einen Marathon über viereinhalb Jahre hinter mich gebracht zu haben, der mit dem Tod meines Vaters als Startschuss begann. Ich wollte am Anfang gleich richtig lossprinten. Doch wer ein erfahrener Läufer ist, weiß das kann nicht gut gehen.

Wenn es an der Zeit ist den inneren Lebensweg zu korrigieren, damit er sich im außen verändert offenbaren kann, braucht es die Pausen, Orte an denen wir uns längere oder kürzere Zeit aufhalten dürfen. In Krisenzeiten sind es unsere Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Überzeugungen und Glaubensmuster. Wir laufen durch Gefühlsstürme, die sehr tief gehen und halten ständig Ausschau nach hellen Momenten, wollen uns an ihnen festhalten; aus Angst die dunklen Gefühlsschluchten halten uns gefangen, doch wir müssen weiterlaufen und nichts hält einen, nur ich mich selbst.

Nach dem Startschuss ging es an den inneren Hausputz. Das Gerümpel muss beseitigt werden, damit Neues seinen Platz vorfindet. Ich enttarnte die „Freunde im Schafspelz“ und jagte ein Schaf nach dem anderen von meiner Weide. Damit entfernte ich emotionalen Ballast. Auch wenn es in meinen Händen und im Herzen schmerzte, riss ich das Unkraut aus meinem inneren Boden und warf es auf den Kompost mit sämtlichen Erinnerungen. Bilder wurden zerrissen, verbrannt oder in den Fluss geworfen. In der Schlucht des Schmerzes setzte ich einen Schritt vor den anderen, achtete auf meinen Atem und versuchte mich an meine Ziele zu erinnern. Ich befand mich in einem nebelhaften Zustand, die Wahrheit watschte mich so heftig ab, dass ich meine Motive aus der Vergangenheit überprüfte, neu sortierte und ausrichtete.

Damit wir uns im Leben frei bewegen können, brauchen wir ein unbelastetes Gewissen mit den Zutaten Ruhe und Beharrlichkeit! Damit hier keine falschen Vermutungen entstehen. Ich bekam Würganfälle bei diesen beiden Worten. Vor allem RUHE! „In der Ruhe liegt die Kraft“ und was es noch für nette Aussagen gibt. Mich hat es genervt, fast an den Wahnsinn getrieben, denn ich wollte gemäß meiner Natur alles schnell hinter mich bringen. ABER…in meinem Durchlaufen der Höhle des Drachen, auf meinem Marathon, habe ich verstanden, so eine Bremse ist sehr gut. Durch diese Bremse werden wir gezwungen uns auf das Geschehen im Hier und Jetzt zu konzentrieren. Den Augenblick wahrzunehmen, was sich gerade abspielt, innen wie außen. Die Situation atmen, ruhig, tief und gleichmäßig. Damit reift die Frucht/die Situation zu ihrer Zeit. Klar, die Herausforderung und das Risiko sind heftig. Doch wenn wir durch sind, warten neue Landschaften darauf entdeckt zu werden. Die Höhle des Drachen gibt uns die Chance keine Wiederholungen nochmals durchlaufen zu müssen. Wenn wir die Lektion verstehen (ich sage nur Astrologin und die Kugeln da oben) und keine Angst haben sie zu lernen, dann kommen wir aus dem Hamsterrad der Wiederholungen.

Ja, jetzt stehe ich hier hinter der Ziellinie. Ich komme langsam wieder zu Atem, freue mich wer mich hier empfangen hat. Bin dankbar für die Wegbegleiter, die mir reichten was ich zum Weiterlaufen und Durchhalten brauchte, mich anfeuerten, anschrien wenn ich nicht mehr aufstehen wollte, einfach liegen bleiben…aufgeben.

Da steh ich, zerzaust, verschwitzt und gezeichnet von den Anstrengungen…bin weise geworden. Weisheit entsteht aus Teilhaben am Leben und nicht nur darüber zu lesen und reden. Durch die Metamorphose bin ich auch im Haar weiß geworden, habe wie ein Schmetterling durch diesen Wandlungsprozess von Opfern, Verlusten und Anstrengungen meine Flügel bekommen…ich bin glücklich, frei, gereinigt und bereit für den nächsten Marathon…doch nun ins glückliche Abenteuer.

(Bildquelle pixabay)

Claudia Schwab