Bleiben, wenn keiner schaut.

Bleiben, wenn keiner schaut.

Bleiben, wenn keiner schaut. Wirken, auch ohne Applaus.

Echtes Wirken beginnt nicht mit Applaus.

Du kennst das wahrscheinlich. Du schreibst etwas, von dem du selber weißt: Das ist ehrlich, das ist echt, das kommt nicht aus irgendeinem Marketingbaukasten, und dann passiert zunächst gar nichts. Keine Reaktion, kaum ein Like, keine Nachricht, und wenn du Pech hast, meldet sich auf ein Angebot auch noch keiner.

Da kann man schon kurz denken: Aha, sehr schön. Dann war das jetzt wohl wieder mein großes Wirken im stillen Kämmerlein. 😄

Natürlich macht das etwas mit einem. Ich sitze ja auch nicht da und denke: Wie wunderbar, dass niemand reagiert. Ich freue mich genauso, wenn etwas ankommt, wenn jemand schreibt, dass ihn ein Text berührt hat, oder wenn Menschen ein Angebot buchen.

Nur darf das für mich nicht der Maßstab dafür sein, ob etwas wertvoll ist.

Denn genau da wird es heikel. Wenn ich anfange, mich danach zu richten, wie viel Resonanz kommt, dann bin ich ziemlich schnell versucht, Dinge anders zu machen, schöner zu schreiben, leichter verdaulich zu werden oder mich mehr daran zu orientieren, was gerade zuverlässig funktioniert.

Und das wäre für mich der Moment, an dem ich mich selbst verliere.

Ich habe über die Jahre gelernt, dass Wirkung nicht immer sofort sichtbar ist. Manche lesen lange still mit. Manche melden sich erst Monate später. Manche sagen nie etwas und trotzdem hat ein Satz bei ihnen gearbeitet.

Deshalb glaube ich heute nicht mehr, dass Stille automatisch bedeutet, dass nichts ankommt. Manchmal ist es einfach nur still, das ist ein Unterschied für mich.

Der Ruf ohne Publikum

Ich hatte keinen großen Plan, als ich angefangen habe. Da stand auch keiner am Rand und hat gerufen: „Endlich, Claudia, auf dich haben wir alle gewartet.“ Ganz im Gegenteil. Bei vielem war es erstmal ziemlich still, und ich musste lernen, nicht jedes Schweigen sofort als Zeichen dafür zu nehmen, dass ich falsch liege.

Das betrifft längst nicht nur Arbeit oder Sichtbarkeit. Im privaten Leben machen wir genau dasselbe. Du triffst eine Entscheidung und schaust sofort, wie die anderen reagieren. Findet mein Partner das gut? Versteht meine Familie das? Sagt meine Freundin, dass ich recht habe? Und wenn keiner begeistert nickt, fängst du an, an dir selbst herumzuschrauben.

Das kann unglaublich anstrengend werden, weil du dann nicht mehr wirklich danach gehst, was für dich stimmt, sondern danach, wie viel Zustimmung du dafür bekommst. Und je länger du das machst, desto schlechter hörst du deine eigene Stimme.

Ich kenne das von mir sehr gut. Früher hat mich fehlende Resonanz viel schneller verunsichert. Wenn keiner reagiert hat, habe ich sofort überlegt, ob ich etwas falsch gemacht habe. Heute schaue ich viel mehr darauf, ob das, was ich tue, für mich stimmig ist. Natürlich freue ich mich über Zustimmung, ich bin ja kein Möbelstück. Aber ich brauche sie nicht mehr als Erlaubnis, meinen Weg weiterzugehen.

Genau das meine ich mit Bleiben, wenn keiner schaut. Nicht trotzig weitermachen, obwohl alles dagegen spricht, sondern bei dir bleiben, auch wenn außen gerade keiner klatscht. Das kann im Business sein, in einer Beziehung, bei einer Entscheidung oder einfach in einem Moment, in dem du zum ersten Mal nicht fragst: „Was werden die anderen davon halten?“

Sondern: Was halte ich selbst davon?

Wenn der Raum taub bleibt

Es gibt diese Momente, da gibst du etwas rein und von außen kommt gefühlt gar nichts zurück. Du schreibst einen Text, stellst eine Frage in eine Gruppe, erzählst jemandem etwas, was dir wirklich wichtig ist, und danach herrscht Funkstille.

Das kann einen schon beschäftigen.

Im Business merkst du es an fehlenden Reaktionen. Im privaten Leben läuft es genauso. Du sagst etwas Ehrliches und der andere wechselt das Thema. Du erzählst, was dich berührt, und bekommst ein Schulterzucken. Du triffst eine Entscheidung und keiner sagt: „Mensch Claudia, grandios, genau so.“

Da fängt der Kopf gerne an, sein kleines Theaterstück aufzuführen.

War das zu viel? War das falsch? Hätte ich besser nichts gesagt? Interessiert das überhaupt jemanden?

Ich kenne diese Schleife gut. Nur merke ich heute schneller, dass fehlende Reaktion nicht automatisch bedeutet, dass nichts angekommen ist. Manche Menschen brauchen länger, andere können mit dem, was du sagst, gerade nichts anfangen, und wieder andere haben schlicht ihren eigenen Kram im Kopf. Das ist nicht immer eine Beurteilung deiner Person.

Trotzdem ist Stille nicht immer angenehm. Gerade dann nicht, wenn du etwas wirklich von dir gezeigt hast.

 

Fünf von 55 – eine ehrliche Bilanz

So ging es mir kürzlich auch in meiner Telegram-Gruppe. Ich habe einen Raum für echtes Erkennen geöffnet, bewusst ohne festen Preis – zwischen 27 und 49 Euro, damit jede*r den Wert selbst fühlen kann. Fünf Menschen haben gebucht. Bei 55 Mitgliedern.

Und ich saß da und dachte: wirklich? Nicht aus Frust. Sondern aus diesem ehrlichen Innehalten: Was machen wir hier eigentlich?

Viele sagen Ja, wenn es kostenlos ist. Aber wenn Tiefe einen Preis bekommt, sei es Geld, Zeit oder ehrliches Mitgehen, dann wird es still.

Das Drama des Durchscrollens

Wir sind inzwischen so daran gewöhnt, ständig weiterzugehen, dass wir kaum noch merken, wie selten wir bei etwas wirklich bleiben. Du liest einen Satz, der dich berührt, denkst kurz: „Ja, stimmt“, und drei Sekunden später bist du schon beim nächsten Reel, beim nächsten Post oder bei der nächsten Nachricht.

Das ist ja nicht nur bei Social Media so. Diese Haltung zieht sich längst durchs ganze Leben. Kurz fühlen, kurz reagieren, weiter. Bloß nicht zu lange bei etwas bleiben, denn dann könnte es unangenehm werden.

Und genau da geht für mich Tiefe verloren.

Wenn ich etwas lese, das mich wirklich trifft, brauche ich keinen neuen Impuls obendrauf. Dann wäre es viel spannender, mal nicht weiterzuscrollen, sondern einen Moment sitzen zu bleiben und zu schauen, warum mich dieser eine Satz gerade so erwischt hat.

Aber dafür haben wir uns ziemlich gut abtrainiert, still zu werden.

Stattdessen sammeln wir Eindrücke wie andere Leute Kühlschrankmagnete. Viel gesehen, viel gespeichert, viel gelikt, aber kaum etwas wirklich aufgenommen.

Und dann wundern wir uns, warum wir trotz all dieser Informationen keinen Schritt weiterkommen.

Mehr Input ist halt nicht automatisch mehr Bewusstsein. Manchmal wäre weniger ziemlich hilfreich. Nicht schon wieder der nächste Impuls, sondern erstmal verdauen, was da gerade angekommen ist.

Genau deshalb wünsche ich mir auch in meinen Räumen weniger Konsum und mehr echtes Dabeisein. Nicht damit jeder dauernd etwas schreiben muss, sondern damit das, was da ist, überhaupt eine Chance bekommt, irgendwo anzukommen.

Wirken ohne Schulterklopfen

Natürlich freue ich mich, wenn jemand reagiert. Wenn ein Text viele Menschen erreicht, wenn jemand schreibt, dass ihn etwas berührt hat oder wenn ich merke, da ist wirklich etwas angekommen, dann ist das schön. Ich muss mir da nichts vormachen, ich bin ja kein Findling am Waldrand.

Trotzdem möchte ich mein Tun nicht davon abhängig machen, ob außen sofort etwas zurückkommt. Gerade das war für mich über die Jahre eine echte Lernkurve. Dinge zu machen, weil sie für mich stimmen, und nicht, weil ich schon vorher weiß, wie viele Menschen sie gut finden werden.

Das passiert im Privaten genauso schnell. Du triffst eine Entscheidung und hoffst insgeheim, dass wenigstens einer sagt: „Ja, genau so hätte ich es auch gemacht.“ Bleibt diese Bestätigung aus, wird die eigene Entscheidung plötzlich wackelig, obwohl sie sich fünf Minuten vorher noch vollkommen klar angefühlt hat.

Ich kenne das gut genug. Natürlich gibt es auch bei mir Momente, in denen ich denke: Ein kleines „Gut gemacht, Claudia“ wäre jetzt schon nett gewesen. Nur brauche ich es nicht mehr, damit ich bei dem bleibe, was für mich stimmt.

Und genau das hat für mich viel mit innerer Freiheit zu tun. Nicht keine Resonanz mehr zu wollen, sondern nicht jedes Mal die eigene Richtung zu verlieren, nur weil außen gerade keiner klatscht. Denn wenn ich nur dann weitermache, wenn ich gesehen werde, dann gehört mein Weg am Ende immer noch ein Stück den anderen.

Die Sucht, nicht im Jetzt zu sein

Die Sucht, nicht im Jetzt zu sein

Die Sucht, nicht im Jetzt zu sein

Warum du immer wieder handelst, obwohl du fühlen solltest.

Da ist dieses Unwohlsein. Dieses leise, nagende Ding. Du bist nicht ganz da. Es drückt, es zieht, es nervt. Du spürst es im Bauch oder in der Herzgegend. Und zack – machst du was. Du reagierst. Schnell. Zackig. Ballert es aus dir heraus.

Dann muss plötzlich irgendwas passieren. Du schreibst dem Hotel eine Bewertung, willst unbedingt noch ins Spa, setzt dir ein neues Ziel oder fährst den Kellner an, weil du dieses innere Ziehen nicht länger haben willst.

Aber in Wahrheit: Du konntest das Gefühl nicht aushalten. Nicht still sein und nicht warten können. Nicht fühlen, dass du gerade komplett im Leeren hängst.

Und das nennst du dann: Klarheit. Handlung. Kommunikation. Zielsetzung.

Aber ich nenn’s: Sucht.

Die Sucht, die keiner sieht

Bei meinem letzten Retreat war eine Teilnehmerin dabei, über 80, unglaublich schnell im Reagieren. Kaum war ein Satz ausgesprochen, kam schon die Antwort zurück. Zwischen dem, was sie hörte, und ihrer Reaktion lag praktisch kein Raum.

Ich habe ihr dann freundlich, aber sehr klar das Wort genommen und sie gebeten, einfach mal kurz nichts zu sagen, sondern nur zu hören. Das war für sie erstaunlich schwer. Du konntest richtig sehen, wie sehr es in ihr gearbeitet hat. Sie hat gezuckt, Grimassen gezogen, wollte immer wieder loslegen, und ich habe sie nur angeschaut und gesagt: „Atme und warte kurz.“ Da kam langsam etwas Ruhe rein.

Nicht die große Erleuchtung, kein Zen-Mönch mit Klangschale, aber ein kleiner Moment, in dem sie nicht sofort reagieren musst, das war für mich schon viel.

Am Ende nannte die geistige Welt sie liebevoll „Plaudertasche“. Ich fand das ziemlich treffend, weil hinter diesem vielen Reden auch dieses ständige Wegspringen lag. Immer sofort raus mit etwas, bloß nicht erst spüren, was der Satz gerade mit einem macht.

Da kannst du dich selbst mal beobachten. Musst du immer sofort antworten? Umgehend erklären? Sofort rechtfertigen? Oder kannst du einen Moment warten und schauen, was in dir passiert, bevor der Mund schon wieder schneller ist als der Rest von dir?

Der Trick mit dem Ziel

Neulich schrieb jemand in meiner kostenlosen Gruppe: „Ich habe ein Ziel. Ich will nicht mehr lieb sein, sondern klar.“ Das klingt zunächst gut, nur kann auch so ein Ziel wunderbar dazu dienen, das zu umgehen, was gerade wirklich da ist.

Denn Klarheit entsteht ja nicht erst dann, wenn du es dir lange genug vorgenommen hast, klarer zu werden. Sie zeigt sich in dem Moment, in dem du merkst, dass du etwas sagen möchtest, und dir trotzdem schon wieder die Worte im Hals stecken bleiben. Da zeigt sich viel mehr, ob du dich traust oder ob du dir lieber vornimmst, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Wir bauen uns aus solchen Themen gerne eine kleine Wegstrecke. Dann heißt es: Ich arbeite daran, ich bin auf dem Weg, ich übe noch. Das kann alles stimmen. Es kann aber genauso gut sein, dass du dir damit noch einen Aufschub gönnst, weil du die Reaktion des anderen gerade nicht aushalten willst.

Wenn du weißt, dass ein Nein dran wäre, dann hilft dir das schönste Ziel nichts, solange du weiter Ja sagst. Und wenn du merkst, dass du etwas ansprechen willst, dich aber nicht traust, dann ist es ehrlicher, genau das zuzugeben, statt dir dafür noch schnell ein Entwicklungsziel zu basteln.

Sonst wird aus persönlicher Entwicklung ganz schnell ein sehr gepflegtes Versteck. Klingt gut, sieht ordentlich aus und du musst trotzdem weiterhin nicht rauskommen.

Der Impuls, zu fliehen

Bei einem anderen Teilnehmer vom Retreat kam das ganz anders raus. Kurz bevor wir fertig waren, wollte er plötzlich unbedingt ins Spa. Nicht später, nicht nach dem Abschluss, sondern genau jetzt. Du konntest richtig merken, wie unruhig er wurde, je länger wir noch im Raum saßen.

Und auch da lag der erste Impuls wieder darin, sofort etwas zu tun, statt mal kurz zu schauen, was gerade in ihm los ist.

Als wir genauer hingeschaut haben, wurde ziemlich schnell klar, dass es gar nicht nur um Spa oder Entspannung ging. Er hatte tief in sich dieses Gefühl, nicht genug zu bekommen. Und obwohl er zu Hause sogar eine eigene Sauna hat und wirklich nicht unter akutem Wellnessmangel leidet, war da ständig dieses Ziehen nach mehr.

Das fand ich fast schon komisch, weil man ja wirklich denken könnte: Junge, wie viel Spa braucht ein Mensch noch?

Aber genau da lag der Punkt: Wenn dieses innere Gefühl von Mangel da ist, dann reicht oft auch das schönste Außen nicht. Dann kannst du noch einen Saunagang machen, noch eine Massage buchen oder noch einen Wellnessnachmittag dranhängen und trotzdem bleibt dieses Gefühl bestehen.

Der Reflex ist dann schnell: Ich muss raus, ich brauche noch etwas, ich bekomme sonst nicht genug. Und solange du diesem Impuls immer sofort folgst, merkst du gar nicht, was darunter liegt.

Manchmal wäre es viel ehrlicher, den Drang nicht sofort zu bedienen und einfach mal dazubleiben. Nicht aus Härte gegen dich selbst, sondern um überhaupt zu merken, was du da permanent zu füllen/füttern versuchst.

Die Wahrheit ist unbequem – aber einfach

Am Ende läuft es für mich auf etwas ziemlich Schlichtes hinaus: Wenn du merkst, dass in dir Druck entsteht, musst du nicht sofort darauf reagieren. Du musst nicht gleich losrennen, reden, erklären, buchen, planen oder dir noch schnell  Ziel basteln, nur damit dieses unangenehme Gefühl wieder weg ist.

Manchmal ist genau das der Moment, in dem es sinnvoller wäre, kurz dazubleiben und zu merken, was da gerade wirklich in dir los ist. Nicht Zähne zusammenbeißen und heroisch leiden, sondern einfach nicht sofort flüchten. Atmen, spüren, warten, bis du wieder ein bisschen klarer wirst.

Das klingt natürlich herrlich unspektakulär. Kein Kurs, kein Sieben-Schritte-Plan, kein spiritueller Schnickschnack. Eher die ziemlich nüchterne Frage: Kann ich das gerade einen Moment aushalten, ohne mich sofort in Aktion zu stürzen?

Und ja, manchmal hilft es, wenn jemand von außen dabei ist und dich daran erinnert, nicht schon wieder dieselbe Schleife zu drehen. Nicht um dir dein Leben zu erklären, sondern damit du nicht jedes Mal sofort an der nächsten Ausfahrt rausfährst, sobald es innen unbequem wird.

Veränderung beginnt genau da, nicht darin, dass du nie mehr reagieren darfst, sondern darin, dass du merkst, wann du gerade nur wegwillst.