Du bist nicht hier, um fertig zu werden
Lernen ist unsere Natur
Du bist nicht hier, um fertig zu werden. Du bist hier, um zu lernen. Wir haben irgendwo und irgendwann gelernt, dass es ein Ziel geben muss. Einen Punkt, an dem alles erledigt ist, geheilt, verarbeitet, abgehakt, abgeschlossen und was weiß ich nicht alles. Zackbumm – erledigt und wir können wieder ins gewohnte Rädchen reinspringen. Und ganz ehrlich, dieser Wunsch ist verständlich, ich kenne den auch. Aber er geht komplett an unserer Natur vorbei. Ich wiederhole es für den Verstand, der das nicht versteht, weil er was anderes intus hat. Es geht an unserer Natur vorbei, und deswegen machen wir uns oft noch mehr Stress, als im Grunde nötig wäre.
Heilen ist kein Zustand
Wir Menschen sind kein Projekt mit einem Abschlussdatum, denn Heilen ist kein Zustand. Wachsen übrigens auch nicht und Entwicklung sowieso nicht. All das ist Lernen. Und Lernen hört nicht auf, nur weil wir müde und erschöpft sind oder keine Lust mehr haben. Wir lernen durch Erfahrungen, durch Beziehungen, durch Krisen, durch Trennungen, durch Stille, durch Fehler. Alles prägt sich ein. Immer und immer wieder.
Das Entscheidende ist nicht, dass wir geprägt werden. Sondern dass wir die Fähigkeit haben, Neues zu lernen und damit alte Prägungen zu verändern. Nicht auf Knopfdruck, sondern Schritt für Schritt, jeder in seinem Tempo.
Ich kenne das selbst. Mitte 2011 bis Ende 2014 – eine tiefe Krise. Meine Güte, was habe ich am Anfang und zwischendrin immer wieder gejammert und verzweifelt gefragt: Mein Gott, wann hört das endlich auf? Wann hört das endlich auf? Was muss ich tun, damit es endlich aufhört? Und selbst als alles final durch war, als jeglicher offensichtlicher Stress vorbei war – hab’ ich Jahre gebraucht. Jahre, um gewisse Traumatisierungen überhaupt zu erkennen, die sich in diesen vier Jahren neu gebildet hatten. Neue Ängste, die ich vorher nicht kannte. Und mache Dinge tauchen auch heute noch in kleinen Spuren auf. Und nein, das ist keine Schande, ich habe auch nichts übersehen, das ist kein Scheitern. Das ist Realität, und wer anderes behauptet, schwindelt einfach.
Prozesse sind keine Reparaturaufträge
Ein Heilungsprozess ist kein Reparaturauftrag, ein Trennungsprozess ist kein Scheitern, ein Wachstumsprozess ist kein Beweis dafür, dass vorher etwas falsch war. Es sind Lernfelder. Einfach lebendige, bewegliche Lernfelder. Und ja, diese Prozesse benötigen Zeit, einen Raum und vor allem Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Unterwegs sein heißt nicht, sich treiben zu lassen. Es heißt, wach zu bleiben. Hinzuschauen. Zu spüren, was sich zeigt … und damit zu „arbeiten“, wenn es dran ist.
Wenn sich Erschöpfung als Sehnsucht tarnt
Wenn wir uns ständig wünschen, endlich fertig zu sein, dann geht es oft gar nicht um Heilung. Dann geht es um Erschöpfung, oder um das Bedürfnis nach einer Pause. Vor allem wollen wir nicht wahrhaben, was da jetzt alles los ist, und am allerwenigsten fühlen. Und deswegen lechzt keiner nach dem nächsten Erkenntnis-Marathon und auch nicht nach dem nächsten Tool. Sondern nach Innehalten, nach Nicht-müssen, nach Durchatmen.
Vielleicht fängt es damit an, dass wir aufhören zu fragen: „Wann bin ich endlich durch?“ – und stattdessen fragen: „Was brauche ich gerade?“ Nicht als nächste Leistung, sondern als Zuwendung.
Pausen sind kein Rückschritt. Sie sind Teil des Lernens, ohne Pause kein Verarbeiten und ohne Raum kein echtes Verstehen.
Die wirkliche Einladung
Vielleicht ist das die wirkliche Einladung. Nicht schneller zu werden und nicht besser zu funktionieren … sondern freundlicher mit dem eigenen Prozess umzugehen. Du musst nirgendwo ankommen und du darfst unterwegs sein. Neugierig bleiben, offen und vor allem menschlich. Das reicht. Mehr braucht es nicht – auch wenn die Systeme um dich herum dir etwas anderes einreden wollen.
Ein Teil meiner Angebote
Einzelstunde (90 Minuten) – für klare Impulse, wenn du (noch) keinen Prozess willst, aber spürst, dass etwas in dir bereit ist.
Metamorphosis-Räume – für eine langfristige Begleitung über mehrere Monate.
Meine Bücher: Wenn du erwachst und es erst später bemerkst und Beziehung ist das Gegenteil von dem, was du denkst
- Das Problem ist nicht deine Identität - 26. Januar 2026
- Wenn andere Angst vor deiner Entwicklung haben - 19. Januar 2026
- Du bist nicht hier um fertig zu werden - 12. Januar 2026
