Warum das Leben jetzt durch den Körper spricht

Bewusstsein, Krankheit und Präsenz

Es gibt Phasen im Leben, da versucht das Leben, uns auf die leise Tour zu erreichen. Über Gefühle, über innere Spannungen, über dieses feine Unbehagen, das wir gerne wegschieben, weil gerade keine Zeit dafür ist. Und dann gibt es Zeiten, da reicht das nicht mehr. Dann wird das Leben direkter. Körperlich und unmissverständlich.

Wenn der Kopf regiert

Wir bewegen uns in eine Zeit, in der der Mensch immer stärker im Kopf lebt. Mehr Informationen, mehr Meinungen, mehr Reize, mehr Geschwindigkeit. Genauso wie Täuschung und Wahrheit – kaum mehr auseinanderzuhalten. Alles geht in die Birne. Das Geistige nennt es Luftzeitalter, und die Astrologie irgendeine starke Betonung durch den Planeten (nagle mich da bitte nicht fest, frag bei deinen Astrologen bitte nach). Denken ohne Pause, Be- und Verurteilung ohne Ende, Konzepte und Strategien statt wirklichem Kontakt. Und genau deshalb zieht das Leben jetzt die andere Schraube an. Nicht als Drohung, Bestrafung oder dergleichen, sondern als Ausgleich. Wenn wir schon nicht freiwillig in den Körper gehen, holt es uns dort ab.

Wenn du deine Gefühle nicht fühlst, fühlt dein Körper für dich. Wenn du ständig übergehst, zwingt er dich irgendwann zum Innehalten. Wenn Beziehungen eher aus Kontrolle, Abhängigkeit oder Pflichtgefühl bestehen als aus echter Verbindung, dann zeigt der Körper ziemlich klar, wo der Austausch nicht mehr stimmt. Wenn du zum Beispiel in einer Partnerschaft funktionierst, Verantwortung trägst, alles regelst – aber dabei nie wirklich ankommst, nie weich werden kannst, nie zeigst, was dich berührt oder ängstigt – dann speichert der Körper diese Nicht-Begegnung. Verspannung, Erschöpfung, chronische Müdigkeit. Das ist kein spirituelles Märchen und auch keine Schuldzuweisung. Das ist schlicht Biologie gepaart mit Bewusstsein.

Wenn Kontrolle nicht mehr funktioniert

Ich sehe das seit Jahren bei Menschen, die alles im Griff haben wollen, selbst, wenn es um das Abgeben einer Gasflasche im Getränkemarkt geht. Die Menschen, die stark sind, funktionieren, versorgen, regeln. Emotionen werden kontrolliert, Nähe wird organisiert, sprich: gar nicht erst zugelassen, weil Nähe gefährlich ist. Verantwortung wird getragen, oft bis zur Selbstaufgabe. Nach außen sieht das stabil aus, manchmal sogar bewundernswert, doch innen fehlt oft etwas Entscheidendes: echter Kontakt zu sich selbst, echte Beziehung auf Augenhöhe, echtes Spüren statt Daueranspannung. Und irgendwann kommt etwas, das sich nicht mehr managen lässt. Erschöpfung, Schmerzen, Krankheiten, Zustände, die nicht mehr verhandelbar sind. Aus die Maus.

Das passiert nicht, weil das Leben grausam ist, sondern weil es ehrlich ist. Weil es irgendwann sagt: So geht es nicht weiter. Der Körper spricht dann nicht, um dich zu bestrafen – er spricht, weil er die einzige Sprache benutzt, die du nicht mehr ignorieren kannst. Und was will gelebt werden? Nähe statt Kontrolle. Gefühle statt Funktionieren. Austausch statt Macht. Verletzlichkeit statt Dauerstärke.

Der Körper lügt nicht

Wir werden körperlicher, weil der Körper nicht lügt. Gedanken können sich alles schönreden, relativieren, erklären oder rechtfertigen. Das kennst du sicher zu gut. Dein Körper macht das nicht. Er zeigt ziemlich genau, wo du dich festhältst, wo du dich verbiegst, wo du gibst, um nicht fühlen zu müssen, wo du kontrollierst, weil Vertrauen fehlt, und wo du stark bist, weil es dir Angst macht, weich zu sein.

In dieser neuen Zeit reicht es nicht mehr, Dinge zu verstehen oder über sie zu sprechen. Es reicht nicht, Konzepte zu haben oder sich spirituell korrekt auszudrücken. Es geht darum, ob du das, was du erkannt hast, auch lebst. Ob du es spürst. Ob du es verkörperst. Das Leben interessiert sich nicht für deine Theorie. Es interessiert sich für deine Präsenz.

Präsenz heißt: Du merkst, dass dein Kiefer verkrampft ist, während du telefonierst. Du spürst, dass sich dein Bauch zusammenzieht, wenn eine bestimmte Person den Raum betritt. Du nimmst wahr, dass du den Atem anhältst, wenn es um Geld geht. Und du bleibst da, statt wegzudenken, wegzuerklären, wegzuorganisieren.

Was sich öffnet

Das Leben will keine perfekten Menschen, es will Anwesende. Und wenn wir das nicht freiwillig sind, dann zeigt es sich dort, wo wir es nicht mehr übersehen können. Im Körper, im Alltag, hin zu dramatischen Konsequenzen.

Das ist unbequem, ja, aber es ist auch klar. Und wenn wir da wirklich hingehen – in den Körper, ins Fühlen, in die Wahrhaftigkeit -, öffnet sich etwas, das vorher nicht möglich war. Ehrliche Begegnung und authentischer Austausch. Ein Leben, das nicht mehr gegen dich arbeitet, sondern mit dir atmet.

Ich bin mir sicher, genau das ist der wirkliche Wandel dieser Zeit. Nicht höher, schneller, weiter. Sondern tiefer, näher an dir dran und wahrer.

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Claudia Schwab
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